Coronaviren kommen bei vielen Tierarten vor, sie sind spezifisch, das heißt, sie sind nur für eine Tierart pathogen (krankheitserregend). Zu unterscheiden sind daher viele verschiedene Arten. So ist z.B. das seit Beginn 2020 für Menschen ansteckende neue Coronavirus, welches erstmals in China auftrat, eine andere Art.

„Zuständig für die Katze“ ist das Feline Coronavirus (FECV), ein Virus, das in erster Linie den Darm besiedelt und mit dem Kot infizierter Tiere ausgeschieden wird. Infiziert damit sind bei den freilaufenden Katzen ständig ca. 60%,  d.h. etwas weniger als 60 % aller freilaufenden Katzen (das „etwas weniger“ wird im folgenden erklärt) scheiden frischen unternehmungslustigen und zu allem bereiten Virus aus. Denn während die einen die Infektion überwunden haben, sind bereits Neuausscheider nachgerückt. Im Übrigen: Man geht davon aus, dass ungefähr 90% aller Katzenzuchten von dem Virus heimgesucht sind (auch dazu kommt noch mehr Info).

Was uns alle am meisten interessiert: Was geschieht nun, wenn eine Katze das Virus aufgenommen hat (d.h. Kontakt mit dem Kot infizierter Tiere hatte z.B. Ablecken verschmutzter Pfoten): NICHTS!! Von außen betrachtet einfach nichts und das ist das Furchtbare und das Atemberaubende an diesem Virus, es zeigt sich nicht. Der die Infektion begleitende leichte Durchfall bleibt häufig aus, die Tiere scheinen völlig unverändert. Leben mehrere Tiere zusammen, so sollte man davon ausgehen, dass alle oder fast alle Tiere sich infizieren und vorübergehend Virus ausscheiden. Nach einigen Monaten, längstens aber nach ca. einem Jahr, endet die Phase der Virusausscheidung. Die Tiere sind frei von Virus. In wenigen Tieren persistiert das Virus und kann in Phasen eingeschränkter Abwehr wieder aktiv werden. Ca 3-5 % aller infizierten Tiere entwickeln die bösartige Form der Infektion, die sogenannte FIP. Bleiben wir zunächst bei der gutartigen Verlaufsform: Das Virus wird aufgenommen und vermehrt sich im Dünndarm des betroffenen Tieres, die Katze stört das nicht weiter, das Immunsystem des Tiere nimmt den Eindringling aber wahr und bildet dementsprechende Abwehrkörper aus, die im Blut eines infizierten Tieres als Coronavirustiter nachzuweisen sind. Als Frontposten ist die Abwehr der Schleimhaut des Darmes gefordert, die dem Virus Grenzen setzt und das Eindringen in den Gesamtorganismus verhindert und damit ist die Sache für die meisten Katzen erledigt, ausgestanden und kein Problem.

Und die restlichen 3-5%??

Das sind die Quotenkatzen der Seuche, da zeigt sie sich. Das derzeit gängige Erklärungsmodell sagt, dass bei einer Katze, die an FIP erkrankt, ein erblicher Faktor vorhanden ist, der das Virus mutieren lässt, das Virus stärker und bösartiger macht. Dann durchdringt es die Abwehr der Darmzellen, dann dringt es in den Organismus ein, dann wird es zum Killer. Das Abwehrsystem des Opfers läuft auf Hochtouren, es werden Antikörper in Massen gebildet, die versuchen eine Bindung mit dem Virus einzugehen, es also aus dem Verkehr zu ziehen. Aber das Virus ist tückisch, es benutzt eine bestimmte Art von Blutzellen, in die es eindringt um sich vor der körpereigenen Abwehr zu schützen und zu vervielfältigen. Wenn es die Zelle dann wieder verlässt um andere Zellen zu infizieren, wird nur ein Teil an Antikörper gebundenen und so aus dem Verkehr gezogenen. Auch dieser Versuch gerät dem Organismus zum Unheil, denn: Überall im Körper, wo diese Verbindungen aus Virus und Antikörper, die sog. Antigen-Antikörperkomplexe, an den Wänden von Blutgefäßen andocken, entsteht ein Reiz und letztlich auch eine Entzündung. Entzündete Blutgefäße werden gewissermaßen "undicht". Ergüsse können entstehen, denn die FIP, die infektiöse Bauchfellentzündung der Katzen, ist somit eine infektiöse Blutgefäßentzündung der Katzen. Entstehen Ergüsse in den Körperhöhlen der Katze, also in Bauch und Brusthöhle, ist dies wohl die bekannteste Form der FIP, die feuchte Form. Bricht die Abwehr der Zellen des Verdauungstraktes nicht gänzlich zusammen, so wird der Organismus gewissermaßen nur durch kleine durchsickernde Mengen von Virus belastet und es entwickelt sich die trockene Form der FIP. Knötchen, die durch den oben bereits beschriebenen Entzündungsreiz entstehen, bilden sich bevorzugt in der Bauchhöhle, in Lymphknoten (besonders Darmlymphknoten), in Nervenzellen und im Auge, erkennbar an einer Dunkelfärbung der Iris.  

Wie zeigen sich die beschriebenen Vorgänge dem besorgten Besitzer des Tieres? Erhöhte Temperatur bis Fieber, wechselnd mit fieberfreien Intervallen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Minderwuchs und Kümmern bei Kitten. Auf Antibiotika sprechen die Tiere entweder nicht oder nur vorübergehend an. Irgendwann kommen die oben bereits erwähnten Ergüsse oder, viel schwerer zu erkennen, die trockenen Form der FIP.  

Wie kann es angehen, dass sich Coronaviren so erfolgreich verbreiten können - im Zeitalter von Sicherheit versprechender Impfungen und immer präziser reagierender Labortests? Zum einen liegt es am dezenten Auftreten der Coronaviren - wie schon mehrfach erwähnt man bemerkt sie einfach nicht. Beginnen wir mit den Labortests: Zunächst der Bluttest, was kann er nachweisen? Ist er positiv, weist er mit Sicherheit Feindkontakt nach. Es gibt keine Ak–Titer, die "nichts besagen", wie man es so oft auch noch seitens der Tierärzteschaft vernimmt. Jeder Titer der höher ist als 1:25 besagt ACHTUNG VIRUSKONTAKT!!! Was wir nicht erfahren können, ist: Befindet sich das Coronavirus noch im Körper des Tieres oder ging der Virus und ließ den Titer zurück? Was nun: Mehr Aufschluss gibt der sogenannte PCR-Test.  Er erfasst, ob zum Zeitpunkt der Untersuchung von der betreffenden Katze Coronavirus ausgeschieden wird oder nicht. Man beachte nun die Aussage "zum Zeitpunkt der Untersuchung" und schon wird es wieder unübersichtlicher - denn Katzen, die sich gerade mit dem Coronavirus herumschlagen, können ausscheiden -nicht ausscheiden – ausscheiden - nicht ausscheiden - na prima. Daraus folgt: Man nehme einmal wöchentlich Sammelkot (über 3 Tage jeweils ein bisschen was) und schicke ein. Wer viermal negativ war, hat gewonnen oder jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. 100% Sicherheit gibt es nicht.  

Noch ein paar Denksportaufgaben zum Bluttest contra PCR (=Kotuntersuchung): Sie lassen bei Ihrer Katze per Blutuntersuchung den Coronavirustiter ermitteln. Das Ergebnis ist 1:25. Ist damit sichergestellt, dass Ihre Katze kein Coronavirus in sich trägt und nicht ausscheidet? Leider nicht. Denn es kann sein, dass sie am Beginn der Infektion steht und schon Virus ausscheidet, aber noch keinen Titer hat. Oder aber der Titer ist bereits wieder gefallen (was er nicht immer, aber doch gelegentlich tut). Die Katze hat bereits wieder einen Nulltiter, scheidet aber noch aus. Oder, dritter Fall: Die Katze hat alle Anzeichen von FIP, doch der Bluttest ist negativ! In diesem Fall sind alle Antikörper an Virus gebunden und der Test kann so nicht funktionieren. Wenn nun eine Katze Coronavirus ausscheidet, bedeutet das, dass sie an FIP erkranken wird?? Ganz und gar nicht, bis auf die erwähnten Quotenkatzen wird sie irgendwann wieder aufhören auszuscheiden und gesund und munter bleiben. Ist die Katze aber erkrankt und die Symptome weisen auf FIP hin, ist dann labordiagnostisch mit hundertprozentiger Sicherheit festzustellen oder auch auszuschließen ob es sich tatsächlich um FIP handelt? Falls bereits ein Erguss vorliegt, so kann ein Punktat mittels der Rivalta Probe untersucht werden. Ein einfacher und sehr genauer Test (über 90% Genauigkeit). Liegt kein Erguss vor, so entsteht gewissermaßen ein Diagnostikpuzzle aus den Symptomen und dem Verlauf der Krankheit sowie den labordiagnostischen Werten: Ein leichter Anstieg der weißen Blutkörperchen und ein leichter Abfall der Lymphozyten sprechen für FIP, ebenso wie Anämie, erhöhte Immunglobuline und erhöhtes Gesamteiweiß. Leider sehen die Blutwerte manchmal völlig anders aus und es kann sich dennoch um FIP handeln.

Soweit die traurige Realität. Wie kann man nun seine Katze schützen? Letztlich ist der aussagekräftigste Test am gesunden Tier die Ermittlung der Virusauscheidung mittels PCR, Nachteil: Langwierig und teuer (siehe oben). Die zurzeit verfügbare Impfung ist nach den neuesten Untersuchungen von eher zweifelhaftem Wert. Es sieht also gar nicht gut aus, was den Schutz der Katze gegen Infektion mit Coronavirus angeht. Wir werden uns arrangieren müssen. Die einzige Beruhigung die uns bleibt, wenn in einem Bestand ein Tier an FIP erkrankt ist: Es wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit der einzige Fall bleiben – FIP läuft nicht als Seuche ab. Das Coroanavirus breitet sich aus – der FIP-Fall ist die Ausnahme. Es ist eine Erkrankung der jungen Katzen (1-2 Jahre), nicht der älteren Tiere, Ausnahme sehr alte Tiere. Was ist zu tun, wenn in einem Bestand FIP aufgetreten ist: Sofortige Proben aller Art machen keinen Sinn! Es ist davon auszugehen, dass alle Tiere einer Population einen Coronavirustiter entwickeln und vorübergehend zu Ausscheidern werden. Günstig ist es, kleine Gruppen zu bilden und die Katzen möglichst stressfrei zu halten. Nach frühestens 6 Wochen kann festgestellt werden, welche Katzen ausscheiden. Dieser Test sollte in Abständen von 4-8 Wochen wiederholt werden. Dann hält man die Tiere in Gruppen von Ausscheidern und nicht Ausscheidern. Falls eine Katze trächtig ist und ausscheidet, sollte man die Kitten mit 4 1/2 bis 5 Wochen (bis dahin können sie sich nicht infizieren) von der Mutter trennen und entweder abgesondert aufziehen oder falls vorhanden, zu nicht ausscheidenden Ersatzmüttern geben.

Wichtig ist jedoch: Je weniger Fremdkontakte ein Katzenbestand hat, desto sicherer und geschützter leben die Tiere. Alles in allem muss man feststellen, der Coronavirus bleibt eine Geißel für Züchter, Tierheime und natürlich Liebhaber. Mögen die Haltungsbedingungen noch so gut sein, der Kampf gegen ein Virus, das fast nicht feststellbar ist, das als krankmachender Faktor nicht mit 100%iger Genauigkeit auszumachen ist, bleibt frustrierend für alle Seiten.

Dr. med. vet. Christel Heerdegen
(Ehemals Tierarztpraxis Höhenkirchen)

Aktuelle Informationen und Quellen zum Thema FIP bei Katzen finden Sie hier:

Wikipedia

Bitte informieren Sie sich bei Verdacht auf FIP unbedingt über aktuelle Diagnose- und Behandlungsoptionen bei dem Tierarzt Ihres Vertrauens.

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