Wichtiges und Grundsätzliches vor der Entscheidung zur Adoption:

Alle unsere Tiere hatten keinen guten Start ins Leben und/oder sind irgendwann einmal auf der Straße gelandet und zum Notfall geworden.

Für uns beginnt in jedem Fall nach der Übernahme erst einmal die „Komplettsanierung“, oftmals mit Zahnreinigung, Zahnextraktion, ggf. Antibiotika und vielleicht vorab noch eine Blutentnahme. Das Tier kann ja schließlich nichts dafür und wir möchten ihm doch die für uns bestmögliche Versorgung zukommen lassen. Bis diese Schützlinge dann in einem vermittlungsfähigen Zustand sind, vergehen oft einige Wochen oder Monate. Manche Tiere sind auch so schwach, dass sie erst einmal aufgepäppelt werden müssen. Unsere Pflegestellen – ob in Spanien oder in Deutschland - investieren viel Liebe, Zeit und Mühe in jeden einzelnen Schützling. Das sind Dinge, die man mit keinem Geld dieser Welt bezahlen kann. Dann sind die Tiere endlich soweit, dass sie vermittelt werden können. Sie sind geimpft, entwurmt, kastriert und weitestgehend gesund.

Trotzdem können wir natürlich keine Gesundheitsgarantie für die nächsten Jahre geben. Nicht nur bei Tierschutztieren, auch bei Tieren vom Züchter oder vom Bauernhof aus dem Nachbardorf besteht immer ein gewisses Risiko, das schlummernde Krankheiten ausbrechen oder Mangelernährung, im Mutterleib schon gesetzt, später zu Erkrankungen führt.

Ein besonders gutes Werk ist es natürlich, speziell ein Tier zu adoptieren, das so gut wie keine Chance hat, ein neues eigenes Zuhause zu finden. Dazu gehören besonders alte Tiere oder solche mit Behinderung oder chronischer Krankheit.

Aber -egal ob alt oder jung: In jedem Fall kann eine neue Erkrankung auftreten oder eine verborgene schlummernde Krankheit ausbrechen. Dessen müssen Sie sich bewusst sein! Zu der Entscheidung für eines unserer Tiere gehört eine große Portion Geduld und natürlich auch die Bereitschaft, mit dem Tier durch eventuelle Krankheiten zu gehen. Sie sind vielleicht die einmalige Chance für dieses Tier, doch noch einige schönen Jahre zu erleben.

Wir möchten an dieser Stelle an alle Tierfreunde appellieren: Wir lieben „unsere“ Tiere wirklich und machen (fast) alles für sie. Wir können aber nicht in die Tiere hinein schauen und so bleibt uns eventuell einiges verborgen. Es ist keinem Tierschutz finanziell möglich, von jedem Tier eine Blutentnahme, ein Röntgenbild und vielleicht sogar einen Ultraschall anfertigen zu lassen. Das kann nur bei den Tieren gemacht werden, bei denen der Verdacht auf eine Krankheit besteht. Interessenten bekommen von uns ein Tier, das gesundheitlich „unauffällig“ ist. Eine „100% Versicherung“ für die Zukunft ist dies jedoch nicht. In dem Moment, in dem eine Diagnose gestellt wird, z.B. Diabetes, Leukose, Aids, Herzerkrankung usw., teilen wir das IMMER den Interessenten mit.


Das zentrale Thema unserer Arbeit vor Ort sind natürlich die Kastrations-Aktionen bei wildlebenden Straßenkatzen, immer in Kooperation mit unseren Partnern vor Ort. Bestehende Kolonien werden betreut, mit Futter und wenn nötig Medikamenten versorgt, kastriert und überwacht. Mithilfe unserer spanischen Partner sorgen wir auch für die Kastration vieler Hunde vor Ort.

Trotzdem gibt es sie natürlich, die „ungewollten" Tiere, ob von der Straße, aus dem Müll oder vom Besitzer abgegeben. Hier sorgen wir für die Aufnahme, Erstversorgung und die Betreuung und Vermittlung von ausgesetzten und aufgefundenen Katzen und Hunden in Spanien.

Viele der Tiere haben in Spanien leider überhaupt keine Überlebens- und Vermittlungschance. Eine Auswahl dieser Tiere finden Sie bei unseren „zu vermittelnden Tieren".

Eine umfassende Informationsaufnahme bei Interesse an einem unserer Vermittlungstiere und bei der ersten Kontaktaufnahme mit uns ist für uns ebenso selbstverständlich wie umfassende Beratung zum jeweiligen Tier. Sofern Sie sich nach reiflicher Überlegung sich für die Adoption eines unserer Tiere interessieren, erfolgt vorab ein Hausbesuch zur Platzkontrolle.

Die Übernahme des Tieres erfolgt gegen eine Schutzgebühr und nach den Bedingungen unseres Vermittlungsvertrags. Wesentlich ist hier insbesondere, dass alle von uns vermittelten Tiere kastriert sind (oder kastriert werden müssen, sobald sie geschlechtsreif werden). Nach dem Umzug des Tieres erfolgt eine telefonische oder persönliche Nachbetreuung.

Alles weitere erfahren Sie von unseren Vermittlungsexperten, sobald Sie an einem unserer Tiere Interesse haben und mit uns Kontakt aufnehmen.


Quelle: http://fiffibene.de/bloss-kein-hund-aus-dem-auslandstierschutz/ 

Aus dem Blog vom Cornelia (Neele) Nyhof. Von Gastautor Christoph Detmer.

Bloß kein Hund aus dem Auslandstierschutz!

Immer wieder höre oder lese ich, Hunde aus dem Auslandstierschutz würden nur Probleme machen, sie wären psychisch kaputt, nicht sozialisiert und würden sich nicht in einen normalen Familienalltag integrieren lassen. Auch würden die vermittelnden Organisationen Krankheiten oder Verletzungen sowieso verschweigen, um soviel Tiere wie möglich zu vermitteln. Überhaupt, wenn ein Hund aus dem Tierschutz, dann bitte einer aus einem deutschen Tierheim.

Tomaten aus Holland, der Hund aus Deutschland

Dazu zwei grundsätzliche Dinge. DEN Hund aus dem Auslandstierschutz gibt es nicht. Auch wenn es vielleicht für die Argumentation einfacher ist zu pauschalisieren, es ist falsch. Darauf werde ich aber noch eingehen. Wer mit dem Gedanken spielt einen Hund zu adoptieren, sollte nicht auf Landesgrenzen achten, sondern den Hund als Individuum betrachten. Das Auto vielleicht aus Frankreich oder Schweden, das geliebte Handy aus China und die Tomaten aus Holland, nur der Hund muss aus Deutschland kommen? Das verstehe wer will, ich jedenfalls nicht.

Nicht nur Straßenhunde

Sind die Hunde aus dem Auslandstierschutz denn nun tatsächlich psychisch kaputt? Machen sie nur Probleme? Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, sollte man einen Blick darauf werfen, wie diese Hunde gelebt haben bzw. noch leben. Es kommen nicht nur Hunde nach Deutschland, die ihr Leben lang als Straßenhund unterwegs waren. Es gibt auch Tiere, die von ihren Menschen bei einer Tierschutzorganisation abgegeben oder leider auch einfach über den Zaun eines Tierheims geworfen wurden. Oft haben sie mehrere Jahre in einer Familie gelebt, sind aber zu groß, zu teuer oder einfach nur lästig geworden. Warum sollten sie psychisch kaputt sein oder sich nicht in einen Familienalltag integrieren (lassen)?

Kein Hund nach DIN-Norm

Okay, dann sind die Vierbeiner mit der kaputten Psyche bestimmt die Straßenhunde. Jetzt wird es schwierig. Gibt es den typischen, den Standard-Straßenhund nach DIN-Norm? Nein, auch den gibt es so eng begrenzt nicht. Da haben wir z.B. den Straßenhund in einer Touristenregion. Er streift herum, gerne in der Nähe der großen Hotels. Er hat gelernt, dort gibt es immer wieder freundliche Menschen, die das Frühstücksbuffet geplündert haben und der zutraulichen Fellnase ein paar Scheiben Wurst geben. Dann gibt es auch noch die Straßenhunde, die in eher ländlichen Gebieten leben. Sie haben es mit der Nahrungsbeschaffung meist wesentlich schwerer und oft leben sie auch gefährlicher. Nicht überall werden sie akzeptiert. Wenn sie Glück haben, werden sie einfach nur verscheucht, sie dienen aber auch als Zielscheibe für Steine werfende „sozialisierte“ Menschen und es gibt sogar nicht wenige Exemplare der Gattung „Homo sapiens“, die es ausgesprochen amüsant finden, Straßenhunde mit ihren Autos von der Straße zu jagen bzw. sie gezielt zu überfahren. Eines haben jedoch alle Straßenhunde gemeinsam: Sie müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen und selbst sehen, wie sie überleben, mal ganz auf sich alleine gestellt, mal in einem lockeren Verband mit ein paar Artgenossen. Dabei müssen sie auch lernen, Gefahren zu erkennen, sie einzuschätzen und ihnen auszuweichen oder sich ihnen zu stellen. Je nachdem wie knapp die Nahrungsressourcen sind, müssen sie sich gegenüber Konkurrenten durchsetzen, wenn sie überleben wollen, notfalls mit den Zähnen. Auch spielt es eine Rolle, was ein Hund erlebt hat bevor er auf der Straße gelandet ist, und ob er eventuell schon als Straßenhund geboren worden ist.

Dem Unbekannten vertrauen?

Stellt euch jetzt vor, einer dieser Hunde zieht bei euch ein. Auf einmal trifft er nicht mehr wie bisher seine eigenen Entscheidungen, ein Mensch sagt ihm plötzlich wo es lang geht. Vielleicht hatte er in seinem Herkunftsland schlechte Erfahrungen mit diesen komischen Wesen gemacht, hat von seinem ehemaligem Herrchen, einem Jäger z. B., Prügel statt Fressen bekommen. Jetzt soll er sich so mir nichts dir nichts einem Menschen ausliefern, ihm vertrauen? Große LKWs, die über die Straße rauschen, ein Zug, der nicht weit entfernt über die Gleise poltert und andere ihm unbekannte und ihn verunsichernde Geräusche. Reagiert er in solchen Situationen aggressiv oder versucht zu fliehen, ist dieser Hund weder ein „Beißer“ noch „psychisch daneben“, er wird mit einer Reizüberflutung konfrontiert, die ihn überfordert. Vielleicht hat er auch noch nie erlebt, wie es ist an der Leine laufen zu müssen, eine Leine, die nicht nur seine Entscheidungsfreiheit, sondern auch sein ganz normales Kommunikationsverhalten einschränkt. Bisher konnte er einem Artgenossen weiträumig ausweichen wenn er wollte, er konnte ihm aber auch schon aus sicherer Entfernung vermitteln, was er von einer weiteren Annäherung hält. Jetzt kommt auf einmal ein Mensch und zwingt ihn in einem für ihn vielleicht unangenehmen Abstand an seinem unbekannten Gegenüber vorbei. Wenn er in dieser Situation auch noch knurren sollte (was im Übrigen ein normales Kommunikationssignal ist und der Vermeidung von Konflikten dient), haha, da haben wir endlich die Bestätigung, wieder so ein nicht sozialisierter Hund aus dem Ausland, der nur Probleme macht. Alle anderen Hunde sind verrückt danach mit Artgenossen zu spielen, laufen brav an der Leine, so dass man sich kaum um sie kümmern muss, sondern bequem mit dem Handy telefonieren kann. Nur dieser Hund verhält sich anders, typisch … Man wusste es ja gleich, Hunde aus dem Auslandstierschutz sind psychisch kaputt und machen nur Probleme. Vorurteile lassen sich scheinbar sehr leicht bestätigen.

Prophylaktische CTs, MRTs und schöne Röntgenbilder

Dass die Argumente mit der kaputten Psyche und der nicht Integrierbarkeit in eine Familie so nicht stimmen, ändert aber nichts daran, dass einem sowieso nur kranke oder verletzte Tiere untergejubelt werden – Oder ist auch diese Behauptung falsch? Zumindest bei der Organisation, für die ich mich engagiere, ist es Standard bei ausnahmslos jedem Hund einen Blut-Test auf die typischen Mittelmeerkrankheiten zu machen und bei einem positiven Ergebnis eine entsprechende Behandlung durchzuführen. Darauf wird dann auch in den Beschreibungen der einzelnen Hunde hingewiesen. Offensichtliche sonstige Erkrankungen oder Verletzungen werden natürlich ebenfalls tierärztlich behandelt. Was aber aus (hoffentlich) verständlichen Gründen nicht gemacht wird, sind prophylaktische CTs, MRTs oder Röntgenuntersuchungen. Es lässt sich also nie mit Sicherheit ausschließen, dass man einen Hund adoptiert und er nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten Krankheits- oder Verletzungssymptome zeigt. Auch bei unserem eigenen Hund hatten wir nach starker Belastung leichte Anzeichen einer Verletzung bemerkt. In der Tierklinik wurde uns dann nach einer Röntgenuntersuchung erklärt, dass er als Welpe verletzt wurde, mit den daraus resultierenden dauerhaften Schmerzen aber groß geworden ist, und sie daher nicht gezeigt hatte. Schmerz war für ihn ein ganz normaler Bestandteil seines Lebens. Jetzt den Tierschützern in Spanien oder der vermittelnden Organisation einen Vorwurf zu machen, wäre ebenso falsch wie unsinnig. Mit Krankheiten verhält es sich ebenso. Es mag zwar Menschen geben, die am Donnerstag schon wissen, dass sie am Montag mit urplötzlich aufgetretenen Symptomen zum Arzt müssen, auf Hunde trifft so eine „Krankheitsvorausplanung“ aber nicht zu. Keine seriös arbeitende Organisation vermittelt stillschweigend kranke oder verletzte Tiere.

Überzogene Erwartungen

Ein Hund aus dem Auslandstierschutz ist weder psychisch kaputt, noch macht er nur Probleme, noch ist er für ein Familienleben ungeeignet. Auch wenn es oft bestritten wird, die meisten dieser Hunde sind sogar in Bezug auf die in ihren Herkunftsländern vorherrschenden Lebensumstände sozialisiert, sie sind lediglich nicht unserer Umgebung, unserem Sozialverhalten und unseren oft falschen Erwartungen angepasst. Einige diese Hunde brauchen Menschen, die sich auf sie und ihre Vergangenheit einlassen, die Geduld besitzen und bereit sind, mit ihnen zusammen in kleinen Schritten in und durch ihr neues Leben zu gehen. Ich habe volles Verständnis für jeden Menschen, der sich mit solch einem Hund überfordert fühlt, der die notwendige Zeit nicht aufbringen kann oder will. Kein Verständnis habe ich jedoch für Menschen mit überzogenen Erwartungen, für Menschen, die es sich bequem machen, einen bequemen Hund mit zwei Jahren Garantie (bei Registrierung auf fünf Jahre verlängerbar), Spülmaschinenfest und bügelfrei erwarten, für Menschen die pauschal jeden Hund aus dem Auslandstierschutz als eigentlich nicht vermittelbar oder noch schlimmer, nicht vermittlungswürdig erklären.


Wir bedanken uns bei Neele, die uns erlaubt hat, diesen aus unserer Sicht sehr gut geschriebenen Beitrag hier zu veröffentlichen. Wer mehr von Neele lesen will, kann die Seite fiffibene.de besuchen.


Unsere Fragebogen enthalten eine Reihe von Fragen zu Ihrer Familien- und Lebenssituation sowie zu Ihrem Erfahrungshintergrund. Wir wissen, dass das Ausfüllen des Fragebogens einige Zeit benötigt. Trotzdem ist es uns wichtig, vor unserem Erst-Telefonat möglichst viel Informationen zu erhalten. Nur so können sich unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter auf das erste Telefonat mit Ihnen vorbereiten. Sie überlegen anhand des Fragebogens schon im Vorfeld, was genau bei Ihrer Anfrage in Bezug auf das spezielle Tier, für welches Sie sich interessieren, wichtig ist telefonisch zu vertiefen. Eventuell müssen auch noch Informationen von unseren spanischen Kollegen im Vorfeld eingeholt werden, um gemeinsam mit Ihnen zu klären, ob dieses Tier perfekt in Ihre Familie und zu Ihrer Lebenssituation passt. Darum und nur darum geht es. Die Themen, welche wir in unserem Fragebogen beleuchten, sind gewachsen aus unserer nun über 10-jährigen Erfahrung mit der Vermittlung von Tieren aus dem Auslandstierschutz.