Grundsätzliches vor der Entscheidung zur Adoption

Unsere Tiere hatten keinen guten Start ins Leben, sind irgendwann einmal auf der Straße gelandet, zum Notfall geworden. Nach der Übernahme erhalten alle Tier erstmal einen Gesundheitscheck. Krankheiten werden behandelt, eventuell wird Blut abgenommen oder Zähne werden gezogen. Manche Tiere müssen erst liebevoll aufgepäppelt werden. Und dies oft über einen längeren Zeitraum. Bis sie gesund sind. Oder gesund genug sind, um vermittelt zu werden. Unsere Pflegestellen in Spanien und in Deutschland leisten viel, damit es den Tieren bald besser geht. Auch wenn unsere Tiere geimpft, entwurmt und meist kastriert nach Deutschland kommen, gibt es leider keine Garantie für die vollständige Gesundheit des Tieres in den nächsten Jahren. Auch auf dem Transport können Tiere, durch Stress und Aufregung, krank werden.

Jedes unserer Tiere, ob Hund oder Katze, hat eine Chance auf ein neues Leben verdient. Auch chronisch kranke Tiere mit speziellen Bedürfnissen. Solchen Lebewesen ein neues Zuhause zu geben ist eine tolle Sache. Dies ist jedoch mit Geduld, Zeit und einigem Herzblut verbunden. Die Bereitschaft für Ihr neues Familienmitglied zu sorgen und auch in Zeiten von Krankheit für es da zu sein, muss von allen Familienmitgliedern gegeben sein. Dessen sollten Sie sich bewusst sein.

Die Tiere werden nach bestem Wissen gesund nach Deutschland transportiert. Außer es ist was anderes vereinbart. Sollte eines unserer Tiere zwischenzeitlich gesundheitlich auffällig werden, wird Ihnen dies sofort mitgeteilt. Trotzdem empfiehlt sich kurz nach Ankunft des Tieres ein Gang zu Ihrem Tierarzt. Machen Sie sich bewusst, dass dies alles Geld kostet. Mit der Anschaffung des Tieres hören die Ausgaben nicht auf.

Zudem ist es wichtig zu akzeptieren, dass die Tiere aus einem völlig anderen Land, mit anderer Kultur und anderem Klima kommen. Daher können sie erstmal ängstlich und überfordert sein. Z. B. betreten manche Tiere zum ersten Mal eine Wohnung. Hier können Hunde und Katzen mit Durchfall, Schnupfen oder Ähnlichem reagieren.

Viele Tiere müssen noch erzogen und an das Leben in der neuen Umgebung gewöhnt werden. Wenn es Probleme geben sollte, ist es keine Schande, sondern nur vernünftig sich z. B. Hilfe in einer Hundeschule zu holen. Diese Zeit muss geduldig überwunden werden. Manchmal über einen längeren Zeitraum.

Bei Fragen oder Problemen sind wir natürlich immer für Sie und Ihr Tier da. Wir versuchen mit Ihnen gemeinsam Lösungen zu finden. Sie werden nicht allein gelassen. Wir alle arbeiten ehrenamtlich. Da kann es sein, dass manche Anfragen etwas Zeit brauchen. Mit diesen Informationen sollten Sie sich das Thema Adoption nochmals durch den Kopf gehen lassen. Wenn Sie Zweifel haben, sollten Sie von einer Adoption absehen. Auch das ist Tierschutz. Wenn Sie sich dem Ganzen gewachsen fühlen und akzeptieren, dass eines unserer Tiere Ihr Leben deutlich verschönert, aber auch anstrengender macht, dann gehen wir diesen Weg gemeinsam.

Eine Schutzgebühr ist auch dafür da, dass die Tiere nicht einfach gedankenlos angeschafft werden. Sie schützt den Wert des Tieres und setzt ein tieferes Interesse voraus. Unsere Schutzgebühren liegen wahrscheinlich etwas höher als bei anderen Organisationen. Das liegt daran, dass sich unsere spanischen Partnertierheime ausschließlich aus Spenden finanzieren. Die Gebühr sichert also nicht nur die Versorgung unserer Tiere, sondern auch das weitere Bestehen der spanischen Tierheime und deckt die Transportkosten.

Hier noch ein Auszug an Fragen, die sich vor einer Adoption stellen:

  • Hat der Vermieter die Zustimmung zum Hund/zur Katze gegeben?
  • Was passiert bei einem Umzug?
  • Ist die berufliche Situation gesichert? Und somit auch die finanzielle Situation?
  • Leben bei Ihnen bereits andere Tiere? Können Sie allen Tieren die nötige Zeit geben sich aneinander zu gewöhnen?
  • Sind alle Familienmitglieder einverstanden?
  • Hat das Tier nach Ankunft eine Rückzugsmöglichkeit?
  • Was passiert im Urlaub oder bei Krankheit mit dem Tier?
  • Ein durchschnittliches Katzen-/Hundeleben dauert ca. 15 Jahre. Können Sie das Tier so lange versorgen?
  • Ist es ein Problem, dass die Wohnung nie wieder frei von Tierhaaren ist?

Bei Fragen sind wir gerne für sie da und beraten sie ausführlich über unsere Schützlinge, das Zusammenführen von Tieren und allem, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Wir besprechen uns auch untereinander und nehmen uns viel Zeit für Ihre Fälle. Es kann daher vorkommen, dass sie ein paar Tage auf eine Rückmeldung warten müssen.

Unsere Fragebogen enthalten eine Reihe von Fragen zu Ihrer Familien- und Lebenssituation sowie zu Ihrem Erfahrungshintergrund mit Tieren. Die Themen, die wir in unserem Fragebogen aufgreifen, sind aus unserer langjährigen Erfahrung mit der Vermittlung von Tieren aus Spanien gewachsen.

Wir wissen, dass das Ausfüllen des Fragebogens einige Zeit benötigt. Es ist aber wichtig, dass wir vor dem ersten Kontakt möglichst viele Informationen erhalten. Nur so können sich unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter auf das Telefonat mit Ihnen vorbereiten. Eventuell müssen wir auch noch Informationen von unseren spanischen Kollegen einholen, um dann gemeinsam mit Ihnen zu klären, ob dieses Tier perfekt in Ihre Familie und zu Ihrer Lebenssituation passt.

Für Sie bietet der Fragebogen die Möglichkeit schon vorab zu überlegen, welche Punkte für Sie besonders wichtig sind.

Hunde

Die Schutzgebühren für Hunde sind wie folgt gestaffelt:

  • Welpen und Hunde bis 6 Jahre: 350 Euro
  • Hunde von 7 bis 9 Jahren: 300 Euro
  • Hunde von 10 Jahren und älter: 250 Euro

Katzen

Die Schutzgebühren für Katzen sind wie folgt gestaffelt:

  • unkastrierte Kitten/Katzen 150 Euro
  • kastrierte Kitten/Katzen 200 Euro

Unsere Schutzgebühren liegen wahrscheinlich etwas höher als bei anderen Organisationen. Das liegt daran, dass sich unsere spanischen Partnertierheime ausschließlich aus Spenden finanzieren. Die Gebühr sichert also nicht nur die Versorgung unserer Tiere, sondern auch das weitere Bestehen der spanischen Tierheime.

Zusammenfassend wird die Schutzgebühr für folgende Kosten eingesetzt:

  • medizinische Versorgung (Tierarzt, Impfungen, Entwurmung)
  • Reiseunterlagen (EU-Heimtierausweis, Microchip)
  • Transport der Tiere nach Deutschland
  • Erhalt/Finanzierung der spanischen Tierheime

Und in manchen Fällen können wir nicht einmal kostendeckend arbeiten.

Wie weisen darauf hin, dass Schutzgebühren nicht erstattungsfähig sind. Auch können Schutzgebühren im Gegensatz zu Spenden und Mitgliedsbeiträgen steuerlich nicht geltend gemacht werden.

Grundsätzliches

Unsere Hunde vor der Vermittlung i. d. R. wie folgt versorgt:

  • Heimtierpass der Europäischen Union
  • Mikrochip und Registrierung bei TASSO e.V.
  • altersgemäße Impfungen
  • Entwurmung
  • Behandlung von etwaigen äußeren Parasiten
  • Kastration
  • Test auf Mittelmeerkrankheiten

Sollten Sie sich für ein Tierentschieden haben, wird ein Vereinsmitglied bei Ihnen zuhause vorbeikommen und eine Vorkontrolle durchführen. Dies ist uns wichtig, damit unsere Tiere in gute Hände gelangen. Sollte alles positiv verlaufen, beraten wir uns intern. Anschließend erhalten Sie Bescheid, ob und wann der Hund bei Ihnen einziehen kann.

Tiere, die auf einer Pflegestelle untergebracht sind, können dort abgeholt werden. Tiere, die sich noch in Spanien befinden, können nach dem Transport in Empfang genommen werden. Der Übergabeort wird individuell besprochen.

Vor dem Einzug

Ihr Hund braucht Wasser- und Futternäpfe, Futter, einen Schlaf- und Rückzugsplatz (Körbchen/Decke), Hundegeschirr und Leine, Spielzeug, Kauknochen und Leckerchen, Kamm/Bürste, Zeckenzange.

Der Schlaf- und Rückzugsplatz sollte bei der Familie sein, und nicht in einem separaten Raum. Der Hund möchte bei seinem neuen „Rudel“ sein.

Während der Autofahrt muss der Hund gesichert sein. Der ADAC empfiehlt als beste Möglichkeit Transportboxen für den Kofferraum.Achten Sie beim Kauf der Transportbox darauf, dass sie groß genug ist. Es gibt auch Alternativen für den Rücksitz und Sicherheitsgitter. Kommentar: das ist schlichtweg falsch. Bei grober Fahrlässigkeit kann der Versicherer eventuell die Leistung der Kaskoversicherung einschränken. Die Haftpflichtversicherung muss leisten.

Informieren Sie sich über die Bedürfnisse des neuen Mitbewohners. Beziehen Sie ihre Kinder in die Vorbereitungen mit ein.

Sofern noch nicht vorhanden, ergänzen Sie Ihre Haftpflichtversicherung um eine Tierhalterhaftplicht.

Erkundigen Sie sich nach einer Hundeschule, die gewaltfreie Methoden praktiziert, auch wenn Sie einen Welpen adoptieren.

Erkundigen Sie sich nach einer Tierarztpraxis in Ihrer Nähe. Adresse und Telefonnummer sollten stets greifbar sein.

Direkt nach dem Einzug

Ihr Hund hat eine lange Reise hinter sich. Er ist vielleicht verunsichert durch die neue Umgebung. Die Reise war anstrengend und der Hund ist müde.Bringen Sie Ihren Hund an einen Platz, wo er sich lösen kann. Bis Ihr Hund vertrauen gefasst hat, ist es besonders wichtig, dass er gut gesichert ist. Entweder durch ein Hundegeschirr mit Leine, oder in einem gesicherten Garten. Wenn der Hund sein „Geschäft“ erledigt hat, bieten Sie ihm Wasser und Futter an.

Danach sollten Sie den Hund erst einmal zur Ruhe kommen lassen. Ihr Hund sollte auf jeden Fall eine Rückzugsmöglichkeit haben. Bieten Sie ihm sein Körbchen oder seine Decke an.

Ihr Hund kennt Sie noch nicht. Stürzen Sie nicht gleich alle auf den Hund los. Sprechen Sie auch mit Ihren Kindern. Geben Sie dem Hund Zeit, sein neues Zuhause kennen zu Lernen

Auch Freunde und Verwandte sollten sich noch ein paar Tage gedulden, bis sie den Hund begrüßen. Zu viel Trubel in den ersten Tagen sollte vermieden werden. Der Hund muss sich erst einmal an seine neue Familie und die neue Umgebung gewöhnen.

Zieht sich der Hund in sein Körbchen zurück, möchte er seine Ruhe haben. Das muss von allen Familienmitgliedern respektiert werden.

Wenn Sie einen Welpen adoptiert haben, beachten Sie bitte, dass junge Hunde sehr schnell erschöpft sind, sie brauchen besonders viel Ruhe! Junge Hunde sind noch nicht stubenrein. Das bedeutet, dass Sie häufig mit Ihrem Welpen raus gehen müssen. Am besten gehen Sie immer an den Platz, wo er sein „Geschäft“ erledigen soll. Loben sie den Hund ausgiebig, wenn es geklappt hat. Sobald Welpen nach der Ruhephase die Augen öffnet, sollte man sie auf den Arm nehmen und schnell raus gehen. Das gleiche sollten Sie machen, wenn der Hund gefressen hat.

Bestrafen Sie den Hund auf gar keinen Fall, wenn es doch mal „daneben“ geht und stecken Sie auf gar keinen Fall seine Nase in Kot oder Urin!

Wenn Sie oft und regelmäßig mit Ihrem Hund raus gehen, wird er schnell Stubenrein werden.

Beachten Sie, dass junge Hunde noch sehr viele „Dummheiten“ im Kopf haben. Sie machen vielleicht auch das ein oder andere kaputt. Welpen knabbern gerne an Sachen. Bieten Sie Ihrem Hund deshalb spezielle Kauknochen an. Tipp: Räumen Sie in der ersten Zeit Schuhe usw. außer Reichweite.

Gehen Sie mit Ihrem Welpen nicht zu lange Gassi. 4 x täglich je 15 Minuten sind ausreichend. Das gleiche gilt für das Spielen mit dem Welpen. Achten Sie auch bei Ihren Kindern darauf, dass sie dem Hund ausgiebige Ruhephasen gönnen. Wenn sich der Hund zurückzieht, müssen Sie drauf achten, dass er auch in Ruhe gelassen wird.

Zu viel Treppen steigen sollte in den ersten Monaten vermieden werden. Ein Welpe darf auch noch nicht am Fahrrad laufen.

Was Sie an einem erwachsenen Hund stört, sollten Sie auch keinem Welpen erlauben, nur weil er doch so süß und klein ist (z. B. auf dem Sofa liegen, im Bett schlafen, Sachen vom Tisch stehlen usw.). Was ein Welpe erst einmal gelernt hat, ist schwierig einem erwachsenen Hund wieder abzugewöhnen.

Einige Tage nach dem Einzug

Wenn sich der Hund nach ein paar Tagen eingelebt hat, sollten Sie zum Tierarzt gehen. Welpen brauchen vielleicht noch Ihre Grundimmunisierung. Oder es fehlt noch eine Impfung. Auch sollten Sie Ihren Hund regelmäßig entwurmen lassen und ein Schutz gegen Zecken sollte überlegt werden. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Tierarzt beraten.

Wenn Sie bei Ihrem Hund auffällige Krankheitssymptome feststellen, wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit sollten Sie natürlich sofort einen Tierarzt zu Rate ziehen.

Ein paar Wochen nach dem Einzug

Besuchen Sie mit Ihrem Hund eine Spiel- bzw. Welpengruppe. Kontakt mit anderen Hunden ist sehr wichtig. Später sollten Sie eine Hundeschule besuchen, damit Sie den Hund unter fachmännischer Leitung richtig erziehen. Eine gewaltfreie Erziehung versteht sich hierbei von selbst!

Nach 6 bis 7 Monaten

Lassen Sie einen Nachtest auf Mittelmeerkrankheiten machen.

Grundsätzliches

Wir vermitteln Katzen nur zu zweit oder zu mindestens einer altersentsprechenden Katze dazu. Einzelkatzen (keine weiteren Katzen im Haushalt) werden nur bei gezeigter Unverträglichkeit mit Artgenossen von uns vermittelt. Dies steht in der jeweiligen Beschreibung des Tiers auf unserer Homepage. In diesem Fall suchen wir ein Zuhause, in dem die Katze nicht sehr lange allein ist im Alltag. Als Einzelkatzen werden nur erwachsene Katzen vermittelt.

Wir empfehlen Ihnen, eine Katze zu adoptieren, die sich auf einer unserer deutschen Pflegestellen befindet. Hier können wir intensivere Auskunft zum Verhalten, zum Wesen und zum Gesundheitszustand anbieten. Zudem ist der Reisestress verbunden mit der Klimaveränderung meist schon überwunden.

Sollten Sie sich für ein Tier entschieden haben, wird ein Vereinsmitglied bei Ihnen zuhause vorbeikommen und eine Vorkontrolle durchführen. Dies ist uns wichtig, damit unsere Tiere in gute Hände gelangen. Sollte alles positiv verlaufen, beraten wir uns intern. Anschließend erhalten Sie Bescheid, ob und wann der Hund bei Ihnen einziehen kann.

Tiere, die auf einer Pflegestelle untergebracht sind, können dort abgeholt werden. Tiere, die sich noch in Spanien befinden, können nach dem Transport in Empfang genommen werden. Der Übergabeort wird individuell besprochen.

Abholung

Nachdem alle „Formalitäten“ erledigt sind, dürfen Sie Ihr Tier abholen. Tiere, die auf einer Pflegestelle untergebracht sind, können dort abgeholt werden. Tiere, die sich noch in Spanien befinden, werden nach Absprache des Transporttermins an einem Treffpunkt in Empfang genommen.

Wann die Tiere bei Ihnen einziehen können, wird natürlich im Vorfeld mit Ihnen besprochen. Dies hängt sehr vom Tier ab (z.B. werden sehr junge Tiere im Regelfall erst ab einem bestimmten Alter abgegeben). Die Pflegestelle trifft die Entscheidung, wann ein Tier reisefertig ist.

Nach der Vermittlung

Sollten Sie nach dem Einzug Fragen über Ihr/e Tier/e haben oder die Entwicklung läuft nicht so wie erwartet, bitte melden Sie sich umgehend bei dem Ansprechpartner, der die Vermittlung begleitet hat. Vielleicht brauchen Sie Hilfe oder Anregungen, um dem Tier die Eingewöhnung zu erleichtern? Wir kümmern uns umgehend um Ihr Anliegen und stehen Ihnen mit all unseren Erfahrungen aus vielen Vermittlungen gerne zur Seite.

- ein informativer Bericht -

Quelle: Blog von Cornelia Nyhof. Von Gastautor Christoph Detmer.

Bloß kein Hund aus dem Auslandstierschutz!

Immer wieder höre oder lese ich, Hunde aus dem Auslandstierschutz würden nur Probleme machen, sie wären psychisch kaputt, nicht sozialisiert und würden sich nicht in einen normalen Familienalltag integrieren lassen. Auch würden die vermittelnden Organisationen Krankheiten oder Verletzungen sowieso verschweigen, um soviel Tiere wie möglich zu vermitteln. Überhaupt, wenn ein Hund aus dem Tierschutz, dann bitte einer aus einem deutschen Tierheim.

Tomaten aus Holland, der Hund aus Deutschland

Dazu zwei grundsätzliche Dinge. DEN Hund aus dem Auslandstierschutz gibt es nicht. Auch wenn es vielleicht für die Argumentation einfacher ist zu pauschalisieren, es ist falsch. Darauf werde ich aber noch eingehen. Wer mit dem Gedanken spielt einen Hund zu adoptieren, sollte nicht auf Landesgrenzen achten, sondern den Hund als Individuum betrachten. Das Auto vielleicht aus Frankreich oder Schweden, das geliebte Handy aus China und die Tomaten aus Holland, nur der Hund muss aus Deutschland kommen? Das verstehe wer will, ich jedenfalls nicht.

Nicht nur Straßenhunde

Sind die Hunde aus dem Auslandstierschutz denn nun tatsächlich psychisch kaputt? Machen sie nur Probleme? Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, sollte man einen Blick darauf werfen, wie diese Hunde gelebt haben bzw. noch leben. Es kommen nicht nur Hunde nach Deutschland, die ihr Leben lang als Straßenhund unterwegs waren. Es gibt auch Tiere, die von ihren Menschen bei einer Tierschutzorganisation abgegeben oder leider auch einfach über den Zaun eines Tierheims geworfen wurden. Oft haben sie mehrere Jahre in einer Familie gelebt, sind aber zu groß, zu teuer oder einfach nur lästig geworden. Warum sollten sie psychisch kaputt sein oder sich nicht in einen Familienalltag integrieren (lassen)?

Kein Hund nach DIN-Norm

Okay, dann sind die Vierbeiner mit der kaputten Psyche bestimmt die Straßenhunde. Jetzt wird es schwierig. Gibt es den typischen, den Standard-Straßenhund nach DIN-Norm? Nein, auch den gibt es so eng begrenzt nicht. Da haben wir z.B. den Straßenhund in einer Touristenregion. Er streift herum, gerne in der Nähe der großen Hotels. Er hat gelernt, dort gibt es immer wieder freundliche Menschen, die das Frühstücksbuffet geplündert haben und der zutraulichen Fellnase ein paar Scheiben Wurst geben. Dann gibt es auch noch die Straßenhunde, die in eher ländlichen Gebieten leben. Sie haben es mit der Nahrungsbeschaffung meist wesentlich schwerer und oft leben sie auch gefährlicher. Nicht überall werden sie akzeptiert. Wenn sie Glück haben, werden sie einfach nur verscheucht, sie dienen aber auch als Zielscheibe für Steine werfende „sozialisierte“ Menschen und es gibt sogar nicht wenige Exemplare der Gattung „Homo sapiens“, die es ausgesprochen amüsant finden, Straßenhunde mit ihren Autos von der Straße zu jagen bzw. sie gezielt zu überfahren. Eines haben jedoch alle Straßenhunde gemeinsam: Sie müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen und selbst sehen, wie sie überleben, mal ganz auf sich alleine gestellt, mal in einem lockeren Verband mit ein paar Artgenossen. Dabei müssen sie auch lernen, Gefahren zu erkennen, sie einzuschätzen und ihnen auszuweichen oder sich ihnen zu stellen. Je nachdem wie knapp die Nahrungsressourcen sind, müssen sie sich gegenüber Konkurrenten durchsetzen, wenn sie überleben wollen, notfalls mit den Zähnen. Auch spielt es eine Rolle, was ein Hund erlebt hat bevor er auf der Straße gelandet ist, und ob er eventuell schon als Straßenhund geboren worden ist.

Dem Unbekannten vertrauen?

Stellt euch jetzt vor, einer dieser Hunde zieht bei euch ein. Auf einmal trifft er nicht mehr wie bisher seine eigenen Entscheidungen, ein Mensch sagt ihm plötzlich wo es lang geht. Vielleicht hatte er in seinem Herkunftsland schlechte Erfahrungen mit diesen komischen Wesen gemacht, hat von seinem ehemaligem Herrchen, einem Jäger z. B., Prügel statt Fressen bekommen. Jetzt soll er sich so mir nichts dir nichts einem Menschen ausliefern, ihm vertrauen? Große LKWs, die über die Straße rauschen, ein Zug, der nicht weit entfernt über die Gleise poltert und andere ihm unbekannte und ihn verunsichernde Geräusche. Reagiert er in solchen Situationen aggressiv oder versucht zu fliehen, ist dieser Hund weder ein „Beißer“ noch „psychisch daneben“, er wird mit einer Reizüberflutung konfrontiert, die ihn überfordert. Vielleicht hat er auch noch nie erlebt, wie es ist an der Leine laufen zu müssen, eine Leine, die nicht nur seine Entscheidungsfreiheit, sondern auch sein ganz normales Kommunikationsverhalten einschränkt. Bisher konnte er einem Artgenossen weiträumig ausweichen wenn er wollte, er konnte ihm aber auch schon aus sicherer Entfernung vermitteln, was er von einer weiteren Annäherung hält. Jetzt kommt auf einmal ein Mensch und zwingt ihn in einem für ihn vielleicht unangenehmen Abstand an seinem unbekannten Gegenüber vorbei. Wenn er in dieser Situation auch noch knurren sollte (was im Übrigen ein normales Kommunikationssignal ist und der Vermeidung von Konflikten dient), haha, da haben wir endlich die Bestätigung, wieder so ein nicht sozialisierter Hund aus dem Ausland, der nur Probleme macht. Alle anderen Hunde sind verrückt danach mit Artgenossen zu spielen, laufen brav an der Leine, so dass man sich kaum um sie kümmern muss, sondern bequem mit dem Handy telefonieren kann. Nur dieser Hund verhält sich anders, typisch … Man wusste es ja gleich, Hunde aus dem Auslandstierschutz sind psychisch kaputt und machen nur Probleme. Vorurteile lassen sich scheinbar sehr leicht bestätigen.

Prophylaktische CTs, MRTs und schöne Röntgenbilder

Dass die Argumente mit der kaputten Psyche und der nicht Integrierbarkeit in eine Familie so nicht stimmen, ändert aber nichts daran, dass einem sowieso nur kranke oder verletzte Tiere untergejubelt werden – Oder ist auch diese Behauptung falsch? Zumindest bei der Organisation, für die ich mich engagiere, ist es Standard bei ausnahmslos jedem Hund einen Blut-Test auf die typischen Mittelmeerkrankheiten zu machen und bei einem positiven Ergebnis eine entsprechende Behandlung durchzuführen. Darauf wird dann auch in den Beschreibungen der einzelnen Hunde hingewiesen. Offensichtliche sonstige Erkrankungen oder Verletzungen werden natürlich ebenfalls tierärztlich behandelt. Was aber aus (hoffentlich) verständlichen Gründen nicht gemacht wird, sind prophylaktische CTs, MRTs oder Röntgenuntersuchungen. Es lässt sich also nie mit Sicherheit ausschließen, dass man einen Hund adoptiert und er nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten Krankheits- oder Verletzungssymptome zeigt. Auch bei unserem eigenen Hund hatten wir nach starker Belastung leichte Anzeichen einer Verletzung bemerkt. In der Tierklinik wurde uns dann nach einer Röntgenuntersuchung erklärt, dass er als Welpe verletzt wurde, mit den daraus resultierenden dauerhaften Schmerzen aber groß geworden ist, und sie daher nicht gezeigt hatte. Schmerz war für ihn ein ganz normaler Bestandteil seines Lebens. Jetzt den Tierschützern in Spanien oder der vermittelnden Organisation einen Vorwurf zu machen, wäre ebenso falsch wie unsinnig. Mit Krankheiten verhält es sich ebenso. Es mag zwar Menschen geben, die am Donnerstag schon wissen, dass sie am Montag mit urplötzlich aufgetretenen Symptomen zum Arzt müssen, auf Hunde trifft so eine „Krankheitsvorausplanung“ aber nicht zu. Keine seriös arbeitende Organisation vermittelt stillschweigend kranke oder verletzte Tiere.

Überzogene Erwartungen

Ein Hund aus dem Auslandstierschutz ist weder psychisch kaputt, noch macht er nur Probleme, noch ist er für ein Familienleben ungeeignet. Auch wenn es oft bestritten wird, die meisten dieser Hunde sind sogar in Bezug auf die in ihren Herkunftsländern vorherrschenden Lebensumstände sozialisiert, sie sind lediglich nicht unserer Umgebung, unserem Sozialverhalten und unseren oft falschen Erwartungen angepasst. Einige diese Hunde brauchen Menschen, die sich auf sie und ihre Vergangenheit einlassen, die Geduld besitzen und bereit sind, mit ihnen zusammen in kleinen Schritten in und durch ihr neues Leben zu gehen. Ich habe volles Verständnis für jeden Menschen, der sich mit solch einem Hund überfordert fühlt, der die notwendige Zeit nicht aufbringen kann oder will. Kein Verständnis habe ich jedoch für Menschen mit überzogenen Erwartungen, für Menschen, die es sich bequem machen, einen bequemen Hund mit zwei Jahren Garantie (bei Registrierung auf fünf Jahre verlängerbar), Spülmaschinenfest und bügelfrei erwarten, für Menschen die pauschal jeden Hund aus dem Auslandstierschutz als eigentlich nicht vermittelbar oder noch schlimmer, nicht vermittlungswürdig erklären.


Wir bedanken uns bei Cornelia Nyhof, die uns erlaubt hat, diesen sehr gut geschriebenen Beitrag zu veröffentlichen. Wer mehr von Cornelia Nyhof lesen will, kann die Seite fiffibene.de besuchen.