Das erste Jahr im neuen Zuhause. Einer unserer Schützlinge hat ich gemeldet und berichtet über das Leben mit seiner neuen Katzen- und Menschenfamlilie.
Hallo Leute,
Ich bin’s, Leonidas. Früher, als ich noch in Spanien lebte, nannte man mich Mino, aber ich hab mich nach nun einem Jahr gut an meinen neuen Namen gewöhnt, und wenn mir der Sinn danach steht, dann hör' ich sogar drauf 😏
Ich wollte euch mal ein kurzes Update geben, was ich im letzten Jahr so getrieben habe, und ich kann euch sagen, das war alles ganz schön aufregend!
Als ich bei Mama am 8.3.2025 eingezogen bin, hab ich sie schon auf dem Heimweg mit meinen schönsten Gesängen erfüllt. Sie hat mich an der Raststätte Schallstadt abgeholt, und ich habe lautstark gesungen – bis sie dann auch angefangen hat zu singen – das war so falsch, da konnte ich nicht mehr einstimmen. Hat sie übrigens zwischenzeitlich auch nicht gelernt, aber dafür singe ich weiterhin umso schöner. 😁
Erst mal bin ich in mein eigenes Zimmer gekommen, und durfte mich dort von den Strapazen der Reise erholen. Die ersten Tage habe ich meine Höhle nur nachts verlassen, wenn alles still und dunkel war. Dann hab ich gefressen, war auf der Toilette, und habe – nur, damit niemand vergisst, dass ich jetzt auch da bin – zwischen zwei und vier Uhr morgens mit Inbrunst die Arien meines Volkes gesungen. Mama sah' zu der Zeit immer etwas übernächtigt und fertig aus, aber sie hat es mir trotzdem nie übel genommen.
Zwischen meiner neuen Schwester, Letizia, die schon über 5 Jahre bei Mama war, und mir gab es die ersten Wochen eine Barriere, in Form von Kindergitter und Netz. So konnten wir uns sehen und anfauchen, ohne einander an die Gurgel zu gehen. Ganz schön territoriales Biest, das kann ich euch sagen, die Leti. Dennoch habe ich mich gut eingelebt, und Mama hat irgendwann, so 3, 4 Wochen nach meiner Ankunft, die Barrieren weg gemacht. Letizia und ich sind uns einfach aus dem Weg gegangen. Für mich war eh immer noch alles total aufregend. So viel Platz, und so viele Geräusche, die ich nicht kannte und nicht einordnen konnte. Nach knapp 8 Wochen wurde es dann wieder aufregend – Leti und ich wurden morgens in unsere Boxen gepackt und ins Bad gestellt. Den ganzen Vormittag haben wir laute Geräusche gehört, bis dann 5 Stunden später endlich Ruhe war – Mama hat uns ins Auto gepackt, und nach einer kurzen Fahrt sind wir bei einer älteren Frau – Oma – angekommen und durften uns dort zunächst im Wintergarten breit machen, während Mama ihre neue Wohnung neben Oma bezogen hat. Das war vielleicht aufregend, ich sag’s euch … Wir, Leti und ich, sind dann erst mal ein paar Wochen bei Omi geblieben, bis bei Mama alles fertig war. Am Anfang fehlten nämlich noch die Küche, das Bad und die Türen. Aber bei Oma ging es uns super, ich hatte viel Freude daran, die Vögel im Garten zu beobachten, und als wir dann endlich bei Mama eingezogen sind, hat sie uns auch gleich mit einem riesigen – bisher leider ausbruchssicheren – Auslauf überrascht. Nun herrschen Letizia und ich also über gut 100qm und Garten – viel besser hätte es mich nicht treffen können.
Nach dem Umzug hatte Mama sich in den Kopf gesetzt, meinen nächtlichen Gesangsarien auf den Grund zu gehen – ich hatte jetzt doch den ein oder anderen anstrengenden Wechsel mitgemacht, aber Mama war sich sicher, dass mir auch irgendwas weh tun muss, und da hat sie am Ende dann auch Recht behalten. Im Juni war ich beim Tierarzt, und dort wurde schnell klar, dass ich ein paar offene Zahnhälse hatte und eine größere Sanierung anstand. Als das dann erledigt war, ging es mir viel besser – natürlich habe ich konsequent die Aufnahme von Antibiotikum oder anderen Tabletten verweigert, warum hätte ich es Mama denn auch leicht machen sollen? Wir haben bei der OP dann außerdem auch alles komplett durchgecheckt, ich war ja eh am Schlafen, und glaubt es oder nicht, aber mein Darm zeigte auch, dass er ganz entzündet war. Meine Tierärztin – die wirklich super nett ist – hat uns zu einem Allergietest geraten, was Mama auch gemacht hat. Als wir dann wussten, was ich essen darf (viel ist es nicht mehr, aber ich habe mich gut an Wildschwein, Känguru und Kaninchen gewöhnt), haben wir eine Darmsanierung gemacht, und seither habe ich auch keine Bauchschmerzen mehr – außer wenn es mir manchmal zu bunt wird, dass Leti immer viel bessere Sachen bekommt, dann verjage ich sie von ihrem Napf und schlinge mir Thunfisch rein, als gäb's kein Morgen mehr. Da bekomm' ich zwar vielleicht mal Durchfall, aber der kurze Genuss ist es auf jeden Fall wert. 😁
Nachdem wir Zähne und Darm erledigt hatten, bekam ich Schnupfen – was auch sonst. Und zwar so richtig, mit verklebten Augen, verstopfter Nase und ganz schlapp hab ich mich gefühlt.
Am Ende haben wir das auch geschafft – auch wenn jedes Verabreichen von Augensalbe zum Versteckspiel wurde. 😅
Nun bin ich – toitoitoi – seit 4 Monaten putzmunter, genieße es, bei Mama im Bett zu schlafen (das war eigentlich Leti's Platz, aber nach ein paar Streitereien habe ich gemerkt, dass ich viel mehr Kraft habe und mich problemlos durchsetzen kann) und alle mit meiner quirligen Art in den Wahnsinn zu treiben. Meine Spitznamen reichen von Blitzi und Flitzi (weil ich immer so flott unterwegs bin), über Räuberlein (weil ich Leti am liebsten aus einem Hinterhalt anspringe) bis hin zu Beschwer-Bär, weil ich, wenn ich nicht sofort die gewünschte Aufmerksamkeit bekomme, immer noch seeeeehr gerne und ausgiebig singe – zu jeder Tag und Nachtzeit.
Ich hänge euch ein paar Fotos an, damit ihr wisst, wie gut es mir geht – auch wenn ich meine lieben Pflegerinnen aus Spanien manchmal vermisse und mir Letizia mit ihrer Königinnen-Attitüde wirklich auf die Nerven geht, bin ich doch super froh, dass es mich hierher verschlagen hat, und Mama und ich hoffen sehr, dass uns ein ewig langes Leben beschert ist.
Macht's gut! Euer Leonidas