21.05.2009:

Ab Montag, den 25.05.2009 bin ich für eine Woche "Helferlein" in Asoka, und möchte euch hier in Form eines Tagebuchs davon berichten.

Ich freue mich auf die Zeit und die Eindrücke, die ich mitnehmen werde, auch wenn es für mich nicht die erste Reise nach Spanien ist, so ist es dieses Mal doch etwas Neues, denn zum Ersten Mal besuche ich auch das Tierheim für eine ganze Woche.

Zur Zeit laufen die "Vorbereitungen", packe ein paar Spenden zusammen, werde einige Frachtboxen mit nach Spanien nehmen, damit diese "gefüllt" wieder zurück nach Deutschland fliegen können. Überlege, was ich mitnehmen muss - luftige Kleidung wurde mir empfohlen.
Und so ziehen sich nun die Tage, bis es endlich los geht...

 

23.05.2009:
Der Montag rückt immer näher, habe heute nohmal mit AirBerlin telefoniert und Sondergepäck bestellt. Einkaufen war ich auch, Siggi wollte das ein oder andere "typisch deutsche" mitgebracht bekommen. Kein Problem.
Packe nun die Spenden wieder um, weil noch mehr dazu gekommen ist. Sehe mich schon, bepackt wie ein Esel in Spanien auf der Suche nach einem Kofferkuli, der das alles transportiert.

24.05.2009:
Komme gerade vom Vorabend-CheckIn. Alles ist mit, nix musste da bleiben, reise also mit über 80kg Gepäck und hoffe, Siggi holt mich mit nem LKW am Flughafen ab. Frage mich noch, wie ich das ganze überhaupt bis vor den Flughafen bringen soll, aber da wird sich eine Lösung finden. Handy und Kamera nochmal in die Aufladestation gesteckt, Pizza bestellt, jetzt noch schnell duschen gehen und vielleicht noch n Stündchen schlafen - in drei Stunden geht´s Richtung Flughafen. Achja, und Siggi´s "typisch deutsches" Brot noch einpacken, sonst werd ich sicher gleich wieder zurück geschickt.

Das nächste Mal melde ich mich dann aus Spanien wieder;-)

25.05.2009:
Um 06:45 Uhr bin ich heute in Alicante gelandet und wurde mit strahlendem Sonnenschein begrüsst. Siggi holte mich am Flughafen ab und dann gings gleich ins Tierheim Asoka. Erst mal umschauen, wo ist was, wer ist wer, und wie geht was, und wo muss was hin???
Ich habe Schaf Milka kennengelernt, die zwei Schweine und einen Haufen Schildkröten, und war überrascht, was man alles so in einem Tierheim vorfindet.

Nach einem Kaffee und den ersten gesammelten Eindrücken hieß es erst mal Gassi gehen. Drei Runden mit verschiedenen Hundegruppen, mal einzeln, mal mit mehreren. Hunde aus der Quarantäne zB müssen einzeln ausgeführt werden. Nach ein wenig Einarbeitung gings gleich wieder zum Flughafen - Bono durfte zu seiner Pflegemama ausreisen, sowie Katze Senia und zwei Kitten.

Zurück in Asoka hieß es schnell was essen, eMails abrufen, Tagebuch schreiben, damit auch ihr was zu lesen habt, und schon gings wieder ins Auto - nach Calpe, wo Sonja und Alice eine Kastrations-Aktion geplant hatten. Wollen doch mal sehen, ob sie fleissig waren. Ja, waren sie - 23 Katzen und Kater werden sich nach diesem Tag weniger in Spanien vermehren können. Das mehrmals im Jahr gemacht, macht längerfristig einiges aus, wenn man bedenkt, wie oft und wie viele Kitten im Jahr geboren werden. Kurz das Erlebte ausgetauscht, habe wir uns mit unserer Tierärztin dann abends alle zusammen zum Essen verabredet. Und wir hatten ein lustigen und interessanten Abend.

Milka
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die Schweine:
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Schildkrötenteich:
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Bono reist ab:
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Fahrt nach Calpe:
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ein netter Abend:
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26.05.2009:
Zurück in Asoka, nachdem wir gestern ja die Nacht in Calpe verbracht haben. Dort wurden gestern an nur einem Tag 23 Katzen kastriert. Alle auf Futterplätzen eingefangen und als sie wieder fit nach der Narkose waren, durften sie wieder raus in die Freiheit. Lore betreut ehrenamtlich einige Futterplätze rund um Calpe und versorgt die Miezen dort mit Futter, Wasser und wenn nötig Medikamenten. Von diesen angestammten Futterplätzen kann man die Katzen dann einfangen, einige sind zahm und andere müssen mit der Katzenfalle gefangen werden. Sie werden dann kastriert undmanche brauchen noch zusätzliche Versorgung - ich erinnere mich an eine Kastrations-Aktion, bei der ich dabei, wo wir zB einer Katze noch diverse Schrothkugeln aus dem Körper entfernt haben. Dann dürfen sie sich ausschlafen und wenn sie wieder fit sind, kommen sie zurück zu ihrem Futterplatz und alles geht seinen gewohnten Gang. Zutrauliche und nicht scheue Katzen kann man vermitteln, aber die wirklich Wilden werden wieder zurück gebracht. Zur Erkennung bekommen sie eine Markierung: die Ohrspitze wird während der Narkose ein wenig gekappt, damit jeder weiss: dieses Tier ist schon kastriert.

Heute Vormittag haben wir dann Sonja und Alice wieder zurück zum Flughafen gebracht, mit im Gepäck nach Deutschland waren Dumbo, Kobe, Ria und Renzo, eine Schildpatt-Mama mit ihren Kitten, der 3 1/2-beinige, und übrigens zuckersüße Sweety. Am Flughafen haben wir noch ein kleines Kitten gebracht bekommen, dem man die Ohren abgeschnitten hatte. Der süße Fratz ist nun hier in Asoka und wenn die Öhrchen verheilt sind, darf auch er sich im Internet vorstellen und seine eigene Familie suchen.

Nachmittags wollten wir ins nahegelegene Tierheim fahren, bis dahin gab es den normalen "Tierheimalltag" zu erledigen, dazu gehört übrigens auch, Lämmchen Milka zu füttern, die durch Blöken und ständiges Hinterhergetribbel einem deutlich zeigt, wann es Zeit für das nächste Fläschen ist.

Dann gings los ins Tierheim Ibi, welches durch eine junge Frau geleitet wird, die dort ihr Bestes gibt. Es war laut dort, mit viel Gebell wurden wir begrüßt. Zwinger mit kleinen Hunden, Zwinger mit alten Hunden, Zwinger mit großen Hunden und Zwinger mit Welpen, sowie ein Katzengehege. In diesem Tierheim gibt es sogar eine Auslauffläche, wo sich täglich die Hunde in kleineren Gruppen austoben können. Viele leere Blicke kamen mir entgegen, Hunde, von denen man weiß, das sie dort nie die Chance auf ein Zuhause haben werden, weil sie alt sind, krank oder einfach nicht hübsch genug. Viele Rassehunde, große wie kleine, viele sog. Kampfhundrassen... Dalmatiner, Podencos, Pinscher - einfach alles ist dort vertreten. Welpen, die oft dort geboren werden und ihr Leben dann in einem Tierheim verbringen müssen. Die Leiterin war nett, sie hat uns alles gezeigt, bat um Hilfe bei einem kleinen Katzenbaby, und ich denke sie gehört zu denjenigen, die einfach ihr Bestes geben.

Als nächstes auf unserer Liste - das städtische Tierheim von Alicante. Optisch sehr eindrucksvoll, es war alles sauber und die Anlage schön - aber ich wurde über die Hintergründe informiert, was dort eben noch alles passiert und läuft und habe nun eben meine eigene Meinung zu diesem Tierheim. Auch dort werden Hunde getötet, es wird selektiert und etliche Hunde werden nach einer bestimmten Frist dort eingeschläfert. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir wieder zurück nach Asoka. Milka hatte schon wieder Durst und die Volunter-Mädels waren schon dabei, die Hunde auszuführen, Zwinger zu reinigen usw.

Als dann die Hunde wieder in Gruppen aus ihren Zwingern in den Freilauf durften, gings richtig rund. Ich kam gerade, als die Galgos raus durften und bin schnell mit meinem Foto ins Auslaufgehege. Stürmische Begrüßung, Galgo Luigi stellte mir die Pfoten zur Begrüßung auf die Schultern und schlabbte durch mein Gesicht. Lucia, die Galga aus Sangonera lies sich knuddeln und der Oberschmuser ist Galgo Gaston - kein Schritt kann man ohne ihn tun, er ist fast aufdringlich und schiebt ständig seine Nase vor, um bloß noch eine kurze Streicheleinheit abzubekommen. Pantoja ist noch sehr zurückhaltend bei Fremden und die wunderschöne Serrana ist ganz angetan vom Angeber-Galgo Luigi. Der ist nämlich immer in erster Reihe, fordert die anderen zum Spielen auf und Serrana springt schon gerne mal mit ihm durch´s Gehege, wenn auch noch etwas vorsichtiger.

Dann kam eine Hunde-Runde nach der anderen. Erst kommt sie eine Gruppe zurück in ihre Zwinger, dann öffnet sich die nächste Tür und in dem Fall kamen Luna und Co heraus geschossen. Luna ist eine Schäferhündin, schon ewig im Tierheim Asoka, dabei ist sie eine wunderschöne verschmuste Hündin. Und so hatten alle Hunde ihren Freilauf.

Übrigens gibt es hier im Tierheim auch zwei Schweine! Und das sind sie im wahrsten Sinne des Wortes - Schweine! Recht gemütlich und zufrieden vor sich hin grunzend tappeln die beiden durch ihr Gehege, kommen an die Tür und lassen sich gerne mal kraulen. Bienvenido, das Hängebauchschwein, wurde als Maskottchen in einem gefliesten Raum gehalten, ohne Stroh oder sonstigem anderen Untergrund. Am ganzen Körper hatte er kahle Stellen, als er überflüssig wurde und zu Asoka kam. Mittlerweile hat der Schweinemann auch eine übergewichtige Schweinedame zur Gesellschaft und die beiden fühlen sich sauwohl.

Für morgen steht wieder eine Flughafenfahrt an. Schön zu sehen, wenn die Tiere von hier aus in ihr neues Zuhause kommen können. Normalerweise kenne ich nur die Seite, wenn Hunde und Katzen in Frankfurt am Flughafen ankommen, nun stehe ich auf der spanischen Seite und schicke sie los. Eigentlich fast traurig, aber man weiß auch, dass nun andere Tiere aufrücken können, die noch auf der Straße leben oder in Tierheimen oder Tötungen, oder, oder, oder...

Das war also im Groben der Dienstag. Olivia, die kleine Ratero-Dame hält übrigens mein Bett schon warm und ich sehe das mal als Wink mit dem Zaunpfahl...

Abflug nach Deutschland:
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Renzo geht auf Reisen:
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Tierheim Ibi:
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Podenco-Babies:
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flehende Blicke:
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die Anlage von Ibi:
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ich will mit:
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Tierheim Alicante:
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wahrscheinlich eine Beisserei:
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Tessy noch im TH Alicante:
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zurück in Asoka:
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Katzengehege:
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Klinikraum in Asoka:
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27.05.2009:
Heute hat mich Milka geweckt. Blökend stand sie vor meinem Fenster und teilte mir unmissverständlich mit, dass sie jetzt Durst hat und ich gefälligst aufzustehen habe. Geblökt, getan. Siggi war schon längst draussen und hat die Galgos in den Freilauf gelassen. Dann wurde heute morgen schon heiss diskutiert, denn irgendwo war ein Defekt in der Wasserleitung, und so konnten heute Nacht etliche Liter Wasser auslaufen. Erst am Freitag kommt die neue Wasserlieferung, bis dahin müssen wir jetzt sparsam sein und zur Not improvisieren. Wasser ist hier sehr knapp, und kommt aus einem Wassertank, der regelmäßig befüllt werden muss. Wenn der Tank leer ist, ist er leer. Reges Treiben also schon früh am morgen und ich möchte mich nützlich machen. Also schnappe ich mir Eimer, Schaufel, Wischmob und fange an, die Welpenzwinger auf Vordermann zu bringen. Nicht ganz einfach, wenn die wuseligen Gesellen sich an den Schnürsenkeln zu schaffen machen und versuchen, den Putzeimer auszuschütten.

Um 11 Uhr mussten wir mal wieder am Flughafen sein, heute ging für Mariela und Missy der Flug ins neue Zuhause. Dann noch mal schnell zu Asoka zurück, Erledigungen hier und da, und dann waren wir schon wieder auf dem Weg zu Siggi´s Finca in den Bergen. Übrigens ein wunderschönes Fleckchen Erde, Totenstille dort, und das Summen der Bienen kommt einem schon fast laut vor. Nach dem Geräuschpegel im Tierheim hat man kurzzeitig das Gefühl, taub zu sein...

Abflug der Katzen:
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eines hat nicht überlebt:
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Siggi´s finca:
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Auf dem Rückweg stand wieder der Besuch von zwei weiteren Tierheimen an. Erst La Nucia, dann Benidorm, welches ich schon von einem anderen Spanienbesuch kannte. Natürlich sind die Zustände dort anders wie in Asoka, und schon gar nicht erst mit Deutschland zu vergleichen. Aber die Hunde haben immerhin ein Dach über dem Kopf und bekommen etwas zu Fressen. Was das da war, was in den Näpfen lag, weiß ich nicht. Vermutlich Reste aus den umliegenden Hotels.

In La Nucia waren die Gänge zwischen den Zwingern so eng, dass ich nach dem Besuch das Bedürfnis hatte, zu duschen. Die Hunde kommen an die Gitter gerast, und da fliegt einem schon so einiges um die Ohren. Auch dort gab es unendlich viele Hunde, groß, klein, dick, dünn...

TH La Nucia:
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Podenca Yuma:
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Kampfhunde ohne Ende:
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In Benidorm tut man das, was eben möglich ist. Es wird Versorgung geleistet, Essensreste aus Hotels für die Hunde, aber ein dach überm Kopf zum Schutz vor Regen und Sonne, und die kleine Chance, doch irgendwann entdeckt und adoptiert zu werden.

TH Benidorm:
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Zwingeranlage:
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nimmst du mich mit?
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14 J. alt, im TH geboren:
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Frühstück in Benidorm:
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Und während wir dann in Benidorm waren, bekam Siggi einen Anruf, dass die kleine Hündin, die wir gestern im Tierheim Alicante gesehen haben, von einer Volunterin geholt wurde. Also sind wir los geflitzt, um uns den Neuankömmling anzuschauen. Im Tierheim war sie ruhig, sehr dünn und verdreckt, stand fast apathisch am Gitter. Nun sitzt die kleine Maus in der Quarantäne, es wurden erste Tests gemacht, um zu schauen, ob sie gesund ist oder Medikamente braucht. Tessy wird die Süße heißen, sie ist gerade mal 20cm hoch, hat aber Ohren wie ne Große. Sie ist noch ängstlich und zurückhaltend, aber frisst gut und muss nun erst mal ein wenig zunehmen.

Währendessen kam ein Katzenbaby quasi als geheilt aus der Klinik zurück, zur Beobachtung bleibt es noch separiert von den anderen, aber man hatte nicht damit gerechnet, dass es überhaupt wieder zu Asoka zurück kommt. Zur gleichen Zeit bangen wir gerade um das Leben eines anderen Kitten, bei dem es nicht so gut steht. Wir werden sehen, ob es die Nacht übersteht.

Isabella, das kleine Galgomädchen, welches man an der Palme angebunden fand, kam heute auch noch vom Kastrieren zurück, und durfte sich erst mal richtig ausschlafen. Sie ist eine ganz süße Maus, tippelt mit, wenns was zu Gucken gibt, und wenn sie müde ist, legt sie sich zu Milka, und sie machen zusammen Siesta.

Nun ist es Abend, die Voluntere sind nach Hause gegangen und es wird etwas ruhiger hier. Die Hunde bellen nicht mehr ständig, man hört das Brummen vom Zementwerk, welches etwas weiter entfernt hier Nacht für Nacht Zement herstellt.

Werde mich nun noch eine Weile draußen hinsetzen, Milka wird sicher noch mal Durst haben, und Isabella und Olivia gesellen sich meist noch dazu. Also lassen wir den Abend ausklingen...

Milka:
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Neuankömmling Tessy:
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Digger:
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28.05.2009:
Das kleine Kitten hat die Nacht nicht überstanden, es ist gestern Abend noch verstorben. Jetzt steht um die Geschwister schlecht, und wir bangen wieder um die Kleinen.

Wir haben spontan beschlossen, Richtung Cadiz zu fahren. Dort sitzen noch einige Galgos in der Tötung von Jerez und man hat Siggi um Hilfe gebeten, um einige retten zu können. Also, schnell ein paar Sachen packen, bald gehts los...

Erst gings nach Villamartin (San Anton), dort war Siggi schon drei mal, um Hunde zu holen, leider kamen wir zu spät und es war schon geschlossen. naja, morgen ist auch noch ein Tag. Früher war Villamartin eine Tötung, heute, durch die Hilfe einiger Tierschutzorganisationen, ist San Anton in Villamartin eine Auffangstation. Es wird nur noch eingeschläfert, wer keine Überlebenschance hat und krank ist. Ein Arzt (Juan) ist anwesend, sowie Saskia, eine Holländerin, die sich dort ganz den Tieren verschrieben hat. Einige Helfer, meist Spanier, gibt es dort. Ich kannte Villamartin nur aus berichten über unsere Homepage, nun war ich selbst da und es hat sich vieles zum Positiven verändert.

Während wir uns also Villamartin erst mal nur von außen anschauten, sahen wir einen Schäfer mit seinen Ziegen und drei Hunden. zwei der Hunde sahen gut genährt aus, auch die Ziegen waren alle markiert mit einem Ohrclip, auch ein junger Esel war dabei. Doch eine Hündin lief mit ihm, die mich mal wieder erschrecken ließ. Ich dachte sofort: "dieser doofe Ziegenpeter, die arme Hündin, wir müssen sie mitnehmen, oh Gott." Siggi fing ein Gespräch mit ihm an, er war sehr nett und erklärte, dass er die Hündin geschenkt bekommen hat. Sie ist scheu und lässt sich nicht anfassen, deswegen  sieht sie so schlimm aus. Sie war übersäht mit Zecken, kahlen Stellen, das Gesäuge hing ihr fast bis an den Boden. Die anderen beiden Hunde kamen ständig zum Ziegenpeter, liessen sich streicheln und waren kein bisschen ängstlich. Da habe ich also falsche Schlüsse gezogen. Er kümmert sich gut um seine Tiere, die Hündin ist ihm wichtig, sie arbeitet sehr gut und er versucht, sie an den Menschen zu gewöhnen. Siggi gab ihm Flohhalsbänder für alle mit, er war dankbar und nahm sie gerne an.

Für mich mal wieder interessant. man darf auch nicht gleich jeden Spanier verurteilen, sondern sollte sich erkundigen. Der Schäfer hat lange mit Siggi gesprochen (ich hab natürlich kein Wort verstanden), er war freundlich und beklagte, dass gerade aktuell 50 seiner Tiere verendeten, weil man irgendwo mit giftigen Chemikalien das Unkraut bekämpfte, und verfluchte die "modernen" Spanier. Er bleibt seiner Tradition treu, hütet gerne seine Ziegen. Auch zeigte er uns eine Ziege, die ohne Ohren und Hörner geboren wurde. Für ihn ist sie was besonderes, andere hätten sie in einem Land wie Andalusien dafür umgebracht.

Da San Anton seine Tore ja schon geschlossen hatte, haben wir uns in Villamartin ein kleines Lokal gesucht, um etwas zu Essen. Geschlafen haben wir im Auto, und am nächsten Morgen dann konnten wir endlich auch die Hunde in San Anton besuchen.

er lebt auf einem Parkplatz:
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San Anton...
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...in Villamartin:
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Eindrücke der Reise:
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der Ziegenpeter:
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seine Hündin:
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29.05.2009:
Der nächste Morgen - endlich können wir Villamartin besuchen. Habe mich besonders gefreut, die ehemalige Tötungsstation zu besuchen, denn hier hat sich einiges getan. Sonja und Siggi waren schon drei mal dort, und jedes Mal verbesserte sich die Situation vor Ort - zumindest was die Auffangstation angeht. Neue Zwinger wurden gebaut, es sieht alles freundlicher aus und man sieht die Mühe und Liebe, die man dort hingesteckt hat. Trotzdem, ich sehe überfüllte Zwinger, sehe heimatlose Hunde, viele Galgos, viele Welpen, manche sind krank. Es bricht einem das Herz - es ist laut, es wird gebellt, gewinselt und geknurrt. Jeder möchte ein paar Streicheleinheiten abbekommen, andere sitzen still in der hintersten Ecke und rühren sich nicht. Es ist ein Jammer, dass Welpen so aufwachsen müssen, dass alte Hunde, die nutzlos wurden so leben müssen. Galgos, die ihren Jägern gedient haben, werden in erbärmlichen Zustand dort abgegeben. Einige kann man nur noch erlösen.

Galgo in Villamartin:
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Mona (anklicken):
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Villamartin:
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Galgos ohne Ende:
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Die Zwingeranlage:
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Alle wollen mit:
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Manchita und Milina :
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Der "Galgo-Zwinger":
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Vom Jäger gebracht:
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Wir entscheiden spontan, dass wir wenigstens zwei kleine Hunde mitnehmen wollen, denn wir hatten ja Marisol in Jerez versprochen, zwei Galgos von ihr mitzunehmen, und das war dann auch unser nächstes Ziel - die Perrera Gesser in Jerez de la Frontera, wo wir Marisol treffen sollten.

Nach weiteren 60km und langem Suchen haben wir sie endlich gefunden. Die Tötungsstation Gesser. Marisol ist Spanierin, sie mietet in der Perrera Zwinger an, in denen sie ihre "reservierten" Hunde unterbringen kann. Diese müssen nicht getötet werden, aber Marisol schafft es natürlich nicht, diese Hunde alle in Spanien zu vermitteln. Die Zwinger kosten sie ca 1000,- im Monat! Sie versorgt die Tiere täglich selbst, füttert sie und macht Tests um zu sehen, ob sie gesund sind. Ihr fehlt aber die Möglichkeit, die Hunde dort kastrieren zu lassen und das Geld, um die Hunde zu behandeln, wenn sie krank sind. Wir entscheiden uns für Golondrina und Mariposa. Und, naja, wo zwei Galgos Platz haben, ist auch Platz für einen dritten - Perla darf auch noch mit. Sie wurde erst einen Tag vorher vom Jäger abgegeben, und bevor sie sich dort noch mit was ansteckt, packen wir sie auch noch ein.

Perrera Gesser:
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Golondrina:
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Mariposa:
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Welpi in Gesser:
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Tony - ein Hund aus Filz:
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Katze in Gesser:
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Siggi und Marisol:
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Marisol verabschiedet sich:
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Los geht die Reise:
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Wir lassen Marisol noch ein paar Flohhalsbänder da und machen uns auf den Weg zurück nach Villamartin, um unsere zwei "Fußhupen" abzuholen. Wir halten uns aber diesmal nicht lange auf, über 600km Autobahn liegen noch vor uns, und es ganz schön heiss in Andalusien.

23:00 Uhr: Geschafft, wir sind alle wohlbehalten zurück. Die kleinen Hundis erst mal in der Küche "zwischenparken", mit Futter, Wasser und einem kuscheligen Deckchen versorgen, dann schnell die Galgos in ihren Zwinger bringen. Dort liegt ebenfalls schon eine Decke parat (da kann man nicht mehr von Deckchen sprechen). Es wird noch was gefuttert, aber die drei sind müde und wollen sich erst mal ausschlafen. Zu dritt kuscheln sie sich auf die Decke. Für uns gibt’s noch ein Glas Wein, kurz wird das Erlebte noch einmal durchlebt, und dann fallen auch wir zwei müde in unsere Kissen. Die Nacht im Auto war kurz und kalt, und bequem ist auch was anderes...

30.05.2009:
Der nächste Morgen, zurück aus Jerez/Andalusien und mit im Gepäck fünf Hunde.

Wir erfahren, dass zwei weitere Kitten in der letzten Nacht verstorben sind.

Ansonsten hatten wir einen aufregenden Trip nach Andalusien, 700km eine Strecke. Landschaftlich atemberaubend schön, war die Freude über die schöne Fahrt schnell vergessen, als wir in Villamartin ankamen. Es war für AHE die vierte Fahrt dort hin, auch andere Organisationen unterstützen die Auffangstation dort, und es wurden zwischenzeitlich neue Zwinger angebaut, um noch mehr Hunden die Chance auf ein Zuhause geben zu können. Trotzdem ist es unwahrscheinlich schwer für mich gewesen, alle die anderen, wunderschönen und lieben Hunde dort zu lassen, am liebsten hätte ich natürlich alle eingepackt. Aber so haben wir zwei von dort mitnehmen können, und nun suchen wir für die beiden ein schönes Zuhause.

Alles in allem war es interessant, es gab schöne Momente und traurige Momente. Auch ist schwer, sich die rauszusuchen, die man mitnimmt. Ich habe immer gesagt, ich könnte das nicht - aber wer soll´s dann machen? Irgendjemand muss entscheiden, und in Villamartin zB haben wir auch mitbekommen, dass einige Hunde für andere Organisationen reserviert waren. Das heisst, diese Hunde warten nur auf einen Flug, eine freie Pflegestelle oder einen Endplatz, dann dürfen auch sie auf Reise gehen. Und so lange sind sie eben noch in Villamartin, wo man sich kümmert. Hätten wir Milina und Manchita nicht ausgesucht, wären sie jetzt noch dort, ohne die Chance auf ein Zuhause. Und weil uns die liebe Tanja als Pflegestelle für zwei Fußhupen zugesagt hat, konnte ich die beiden gleich mit nach Deutschland nehmen. Und Villamartin kann zwei neue Seelchen aufnehmen, damit auch sie Chance bekommen, irgendwann einmal auf einem warmen Deckchen in Deutschland zu schlummern, und ihre Sorgen zu vergessen.

Chiva, Virgilio, Valentin und Mona sind noch in Villamartin. Wir wollen San Anton weiterhin unterstützen, aber auch Asoka hat nicht unendlich viel Platz und die Fahrt ist lang - und es wird immer heisser in Andalusien. Also haben wir die vier auf unsere HP genommen, vielleicht ergibt sich ja das ein oder andere Sofa für einen von den vier...?

Ansonsten war dieser Tag geprägt von Fotoshootings. Die neuen Hunde fotografieren, rundmailen an alle, Infos weitergeben, Gassi gehen, Katzentest, Bluttests veranlassen usw. Und vor allem: erst mal baden - die Hunde meine ich, wir kommen später dran. Die Vorbereitungen für meinen Abflug laufen auch, es wird alles noch einmal kontrolliert, Pässe, Impfungen, Telefonate und etliche eMails, Fotos verschicken und zwischendurch der "ganz normale Tierheimalltag".

Gerade sind viele der Voluntere da und ich bin überrascht, dass es so viele sind. Sie kommen alle freiwillig, werden nicht bezahlt und kümmern sich um die Katzen und Hunde hier. Ach ja, und um die zwei Schweine, das Lamm Milka und Schildkröten gibts hier auch noch. Es ähnelt schon einem kleinen Streichelzoo.

Gerade waren auch Interesenten für einen kleinen Welpen da - Spanier, die sich die Hunde alle angeschaut haben, erstmal eine Runde Gassi gegangen sind und sich dann für einen der vielen Welpis entschieden haben. Schön, dass auch die Spanier in ein Tierheim kommen und sich Hunde anschauen. Leider ist das eine Seltenheit hier. Und wenn ich bedenke, wie voll die Tierheime waren, die wir besucht haben - es waren mittlerweile sechs an der zahl. Dort sitzen noch so viele Welpen und auch Rassehunde, bei denen ich mich frage, wie die überhaupt hierher kommen. Es gibt wohl genug Züchter verschiedener Rassen und auch hier gibt es die typischen Modehunde. Aber wenn sie lästig und überflüssig werden, landen sie alle schnell in den Tötungen und Tierheimen, und von dort haben sie kaum eine Chance auf eine Vermittlung. Und man kann ja fast froh sein, wenn sie überhaupt in einem Tierheim landen. Viele werden im Müll entsorgt, ausgesetzt oder eingesperrt, um sie dann verhungern zu lassen. Und wenn dann mal ein Spanier ins Tierheim kommt, ist das schon ein kleiner Fortschritt, denn die, die heute da waren, müssen sich ja auch überlegt haben, von wo sie einen Hund holen. Ich denke, dass sich der Tierschutz eben nur dann bezahlt macht, wenn man auch Aufklärung im Land betreibt, damit die Menschen sensibler werden, und ein Tier auch als Lebewesen ansehen. Gerade die alten, abgeschobenen und kranken Tiere lassen sich hier nicht vermittelt, und auch in Deutschland haben sie es nicht leicht, einen Gnadenbrotplatz zu bekommen. So sitzen sie im Tierheim, kosten natürlich täglich Geld für Futter und Unterbringung, hinzu kommen meist gerade für diese Tiere hohe Tierarztkosten. Und so bleibt einem anderen jungen und gesunden Tier die Chance verwehrt, wenn es dann zu einem Aufnahmestop in den Tierheimen kommt. Und was soll das Tierheim dann machen? Wenn jemand vor der Tür steht und einen Wurf Welpen abgibt - wegschicken und sagen, wir haben keinen Platz mehr? Man kann sich denken, was mit den armen Geschöpfen passieren wird. Und so sehe ich, wie wichtig die Unterstützung der Tierheime vor Ort ist, auch durch Patenschaften, damit die Langzeitkandidaten versorgt sein können, und andere, neue Hunde überhaupt erst mal versorgt werden können.

Bis ein Tier aus dem Tierheim raus geht und in eine neue Familie zieht, ist einiges passiert. Tests, Futter, Chip, Ausweis, Medikamente, Flugpatenschaft, Kastration usw. Da kann man von Glück sprechen, wenn ein Tier ansonsten gesund ist, und eben keine Medikamente oder sogar Operationen braucht.

 

So, nun gehts wieder nach Alicante in die Apotheke, unsere Bestellung abholen.

 

Schaf müsste man sein:
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Eingang von Asoka:
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Tom:
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31.05.2009:
Heute ist Tag der Abreise. Man glaubt nicht, wie schnell so eine Woche vergehen kann. Habe schon das Gröbste zusammen gepackt, und nehme so langsam Abschied. Um 18.30 Uhr gehts los zum Flughafen, wir müssen mit zwei Autos fahren, denn die Galgos mit ihren riesigen Boxen nehmen viel Platz weg.

Heute ist richtig viel Trubel hier, es sind viele freiwillige Helfer da, überall wird gearbeitet und die Hunde werden ausgeführt. Im Tierheim hätte sie wohl kaum eine Chance gehabt, dort saß sie teilnahmslos am Gitter, völlig verdreckt und verwirrt. Noch muss sie ihre Zeit hier in der Quarantäne absitzen, aber man merkt schon, wie sie langsam aufblüht und sich freut, das kleine Schwänzlein wedelt hektisch, wenn man zu ihr in den Zwinger geht, und sie fängt an, ein wenig zu spielen.

Am liebsten möchte man sie alle einpacken und mitnehmen, wenn man diese Hunde kennenlernt, kann man nicht verstehen, warum sie in einem Tierheim sitzen müssen, anstatt in einer Familie zu leben. Man kümmert sich hier ganz toll um die Tiere, es ist alles sauber, die Hunde gehen Gassi und haben mehrmals täglich Bewegung im Freilauf. Es gibt ein extra Gehege für die Leukose-Katzen und es sind immer Leute da. Augentropfen geben, Medikamente, Katzenklos säubern, Zwinger reinigen, das Schaf füttern, die Schildkröten, die Schweine - ja, es ist schon ein wenig Arbeit, aber hier sind Menschen, die die Arbeit anpacken und etwas verändern wollen...

Mein letzter Gang: Ich mache noch einmal Fotos von allem und jedem, verabschiede mich innerlich und plane insgeheim schon meinen nächsten Asoka-Ausflug. Dann wird´s hektisch, wir müssen los, die Autos müssen gepackt werden, haben wir alle Impfausweise, ist nichts vergessen worden? Wissen die Abholer in Deutschland alle Bescheid, wo ist mein Handy, habe ich jetzt wirklich alles? Siggi packt mir noch Sachen ein für das Windhundtreffen Ende August in Viernheim, dabei ist doch gar kein Platz mehr in meiner Tasche?!? Und schon fahren wir Richtung Flughafen...

Tessy nimmt ein Bad:
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Asoka von oben:
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Welpenauslauf:
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Katzengehege1:
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Quarantäne für Hunde:
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Leukosegehege:
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Leukosehaus:
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Leukosekatze:
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von innen:
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Katzenquarantäne:
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Katzengehege 1:
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Katzengehege 2:
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Hans - Mädchen für alles:
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Welpenzwinger:
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Hundeauslauf:
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ein Milkafan:
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Diana hat ihren Koffer gepackt:
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Luigi auch:
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01.06.2009:
Da bin ich wieder, und schon hat mich der "Alltag" wieder eingeholt. Ich werde versuchen, so bald wie möglich die Bilder meiner Reise hochzuladen, aber erst muss unsere HP wieder aktualisiert werden, denn nicht alles konnte ich von Spanien aus erledigen. Die Tasten glühen und mein Rechner läuft auf Hochtouren.

Ich danke euch für das Lesen meiner Zeilen, und ich werde auch versuchen, in einigen Dingen noch mehr ins Detail zu gehen. Ich hoffe, ich konnte ein wenig den Alltag in Spanien näher bringen. Manchmal ist es nicht leicht, das Erlebte in Worte zu fassen, und nicht jeder möchte das Erlebte und Gesehene auch so detail-getreu hören.
Bei Fragen, Anregungen oder sonstigen Anliegen wendet euch einfach per eMail an mich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!