Vor kurzem hatten wir ja einen Reisebericht über unseren Aufenthalt in zwei spanischen Tierheimen online gestellt und die Zustände dort beschrieben. Der Zuspruch war sehr groß, größer als wir erwartet hatten. Und viele fragen uns, wie man denn am besten helfen kann. Und wir haben uns mit dieser Frage nochmals intensiv beschäftigt, da auch uns die Bilder von dort nicht loslassen. Und egal von welcher Seite wir das Thema betrachten, sind wir immer wieder zu dem Ergebnis gekommen, dass das Wichtigste, um den Tieren dort zu helfen und zumindest einem Teil davon ein schönes Leben hier in Deutschland zu ermöglichen, Pflegestellen sind!

Daher möchten wir Euch hiermit nochmal bitten, dass sich evtl. jeder Einzelne mal Gedanken macht, ob er nicht einem Hund ein schönes Zuhause auf Zeit schenken kann bis er seine eigene Familie gefunden hat. Für Menschen, die sich evtl. nicht langfristig binden können, ist Pflegestelle sein eine tolle Sache, aber natürlich vor allem für Menschen, die sich voll und ganz dem Tierschutz verschrieben haben. Natürlich können Pflegeeltern auch eigene Hunde haben, wenn diese grundsätzlich kein Problem damit haben, ihr Zuhause zeitweise mit einem Artgenossen zu teilen. All das wird vorab natürlich intensiv besprochen und überlegt, welches Pflegetier „auf Zeit“ am besten in das familieneigene Rudel passt.

pflegestelle1Gesucht werden Menschen, die Zeit haben um mit einem Hund zu arbeiten, ihn zu päppeln, ihm das Einmal Eins des Lebens näher zu bringen. Denn genau das ist es, was die ehrenamtlichen Mitarbeiter in Spanien, die wirklich eine sehr tolle und bewundernswerte Arbeit leisten, nicht schaffen. Denn bei ca. 200 Hunden, die zum Beispiel im Tierheim SPAX in Xativa leben und 7 ehrenamtlichen Helfern, die alle auch Vollzeit berufstätig sind, ist dafür natürlich nur bedingt Zeit.

Somit ist es sehr schwierig, Hunde von dort direkt in ein neues Zuhause zu vermitteln. Es beginnt schon damit, dass eine vernünftige Beschreibung zu den Hunden erstellt werden muss. Dies ist bei der Situation vor Ort zum einen nicht umfassend möglich, weil es einfach niemand gibt, der Zeit dafür hat und zum anderen die Hunde sich in einem „normalen“ Umfeld ja auch evtl. nochmals ganz anders entwickeln. Viele Leute haben nach wie vor Angst, einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen, da man ja nicht weiß, was dieser alles mitgemacht hat, und man den Hund vorher nicht kennenlernen kann. Klar, direkt aus dem Ausland einen Hund zu adoptieren ist natürlich ein gewisses Risiko, welches viele Menschen leider scheuen und dann evtl. lieber zu einem Züchter gehen und sich einen Hund kaufen. Und genau deshalb sind hundeerfahrene Menschen, die dem Hund eine Chance auf eine Pflegestelle geben und natürlich auch gegebenenfalls mit ein paar „Macken“, die die Hunde mitbringen, umgehen können, so extrem wichtig. So kann auch unerfahreneren Adoptanten die Angst genommen werden, einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen. Eine passende Beschreibung ist auch wichtig um Fehlvermittlungen zu vermeiden und somit den Ruf der Tierschutzhunde in ein besseres Licht zu rücken. Auch bei einem Welpen vom Züchter weiß man vorher nie, wie er sich entwickelt. Erwachsene Hunde, die auf einer Pflegestelle sind, kann man vorher kennenlernen. Dies ist ein sehr großer Vorteil!

 

pflegestelle2Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt, warum Pflegestellen für einen Verein so extrem wichtig sind. Eine Vermittlung birgt leider immer ein gewisses Risiko. Immer wieder werden Tiere nach kurzer (oder manchmal auch nach sehr langer….) Zeit dem Verein wieder zurückgegeben, da es nicht „passt“. Trotz vieler Vorgespräche, persönlicher Vorkontrolle und intensiven Prüfungen kann dies leider nicht verhindert werden. Da wir bzw. der Verein natürlich für jeden Hund verantwortlich sind und man es dem Tier in keinem Fall zumuten kann, es wieder zurück nach Spanien zu schicken, sind Pflegestellen im Hintergrund, die bereit sind auch einen Hund aufzunehmen, bei dem es in seinem neuen Zuhause leider nicht geklappt hat, unumgänglich. Nur wenn Pflegestellen vorhanden sind, die bei einer evtl. Fehlvermittlung einspringen, können Hunde überhaupt importiert werden. Alles andere wäre verantwortungslos und den Hunden gegenüber nicht fair.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist, dass es gerade im Tierheim SPAX in Xativa keinerlei Quarantäne Möglichkeiten gibt und die ärztliche Versorgung bei 200 Hunden auch nur bedingt möglich und auf das Nötigste beschränkt ist. Daher muss man damit rechnen, dass die meisten Hunde, die von dort kommen, diverse Krankheiten, wie Mittelmeerkrankheiten, Wurmbefall oder entzündeten Ohren, um nur ein paar Beispiele zu nennen, mitbringen können. Natürlich erfolgt vor Ort eine Kontrolle der Reisefähigkeit, aber unter den genannten Umständen ist es einfach so, dass gerade auch nach dem Transport und dem damit verbundenen Stress wieder Krankheiten oder Parasiten auftreten können, die davor vermeintlich austherapiert waren. Auch das macht eine Direktvermittlung sehr schwierig. Auf einer Pflegestelle können die Hunde behandelt, gepäppelt und auch ggf. medikamentös eingestellt werden. Die späteren Adoptanten bekommen dann auch, was die Gesundheit angeht, kein Überraschungspaket, sondern wissen vorher, was sie erwartet.

 

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pflegestelle4Aber genau diese Punkte machen es natürlich auch so enorm schwierig, Pflegestelle zu sein. Denn man muss bereit sein, viel Zeit und Geduld für Training, Tierarztbesuche etc. zu investieren. Viele Hunde sind evtl. nicht stubenrein oder können nicht Gassi gehen, weil sie ängstlich sind. Aber es ist auch eine sehr schöne und spannende Aufgabe, all diese Dinge gemeinsam mit dem Hund zu erarbeiten. Und der gemeinsame Erfolg und vor allem die Dankbarkeit der Tiere geben einem auch sehr viel zurück. Auch kann sich der Hund natürlich in der Pflegestelle komplett anders als erwartet oder wie beschrieben entwickeln. Dessen muss man sich bewusst sein, bevor man diese schwierige Aufgabe übernimmt. Denn man trägt dann die Verantwortung für das Tier bis zur endgültigen Vermittlung. Und auch wenn natürlich versucht wird, Hunde auf Pflegestellen zu holen, die schnell in ein tolles und endgültiges Zuhause vermittelt werden können, kann dies unter Umständen sehr lange sein! In manchen, wenn auch sehr wenigen Fällen, bis an das Lebensende. Allerdings sind verwunderlicher Weise die meisten Hunde trotz ihres schweren Schicksals total angenehm im Umgang und entspannt. Umso länger man das Tier dann pflegt und sich darum kümmert, umso mehr Bindung baut sich auf beiden Seiten auf und umso schwieriger wird dann dementsprechend auch das Loslassen wenn der Hund ein endgültiges Zuhause findet. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch ein unheimlich schönes Gefühl, seinen Schützling erfolgreich in ein schönes Zuhause zu vermitteln mit dem Wissen, ihm dies ermöglicht zu haben. Und wieder den Platz für einen weiteren Hund in Not frei zu haben.

Es ist sehr wichtig diese Punkte vorher genau zu überdenken, denn eines sollte vermieden werden: Hunde, die zum Wanderpokal werden und hier in Deutschland von einer Pflegestelle zur anderen geschoben werden. Das hätte dann mit verantwortungsvollem Tierschutz nichts zu tun. Denn dann haben es die Hunde vermutlich sogar unter den „schlechten“ Bedingungen in Spanien besser, da sie zumindest eine gewohnte Umgebung und ihre Hundefreunde haben.

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Pflegestellen sind gerade für den Auslandstierschutz mit die wichtigste aber auch eine der schwierigsten Aufgaben, wenn nicht die schwierigste. Trotzdem hoffen wir, dass sich der eine oder andere findet, der sich dieser Aufgabe verantwortungsvoll stellt und den Hunden aus Spanien somit die Chance auf ein neues Leben ermöglicht, was sie alle so sehr verdient haben!

Übrigens: Auch unsere Katzen und Kitten brauchen dringend Pflegestellen.

Am besten passt es, wenn Ihr im Raum München/Dachau/Ingolstadt/Ulm/Oberbayern oder Niederbayern zuhause seid.

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Wir freuen uns auch Euch!