Anton

Am 8. Juni dieses Jahres ist mein persönlicher Ruhepol bei mir eingezogen. Er wiegt stolze fünf Kilo, dekoriert meine Wohnungseinrichtung mit wunderschönen, flauschigen Haaren und hört auf den Namen Anton.

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Ich habe Antons Anzeige bei Animal Help Espania eher zufällig entdeckt, als ich auf der Suche nach zwei Kitten war. Er schaute mich von einem Bild mit großen, grünen Augen an; ich telefonierte fünf Minuten später mit meiner Mutter und sagte: Der - und wenn der Kühlschrank raus muss.

Der erste Besuch auf Antons Pflegestelle war entspannt und ein bisschen reserviert. Anton rollte sich auf seinem Kratzbaum zusammen, ließ sich zwar streicheln, war aber nicht sonderlich interessiert. Kein Problem soweit, die Frage war nur: würde er mit zwei Kitten verträglich sein? Ganz sicher war das nicht, andererseits sollte Anton auch nicht allein leben.

Die Kitten - ein Geschwisterpaar mit damals 12 Wochen, Kater Gipsy und Katze Elli - zogen an einem Samstag ein; am Sonntag holten wir Anton ab. Daheim kam er recht schnell aus seinem Transportkorb heraus, war aber etwas konsterniert, als er die pelzige Gesellschaft sah. Da kam die Couch zum verstecken gerade recht.

Drei Tage lang war Anton alles andere als erfreut, junge Mitbewohner zu haben. Er fauchte und plusterte sich auf - was zugegeben ziemlich imposant aussieht. Zum Glück hatte er damit überhaupt keinen Erfolg bei Gipsy. Der Kleine robbte einfach immer wieder auf ihn zu, kassierte die ein oder andere - krallenfreie - Kopfnuss und war überhaupt nicht zu entmutigen. Vielleicht wäre der Große ja super zum Spielen und Schmusen?

An Tag vier wurde plötzlich nicht mehr gefaucht, und als ich noch einen Tag später ins Wohnzimmer kam, lagen Anton und Gipsy in inniger Umarmung auf einem Sessel. Anton war das sichtlich "peinlich": er hüpfte auf, verzog sich in die Küche und warf mir einen Blick zu, der sagte: "Das hast du nicht gesehen, Mensch!"

Seitdem sind die drei ein Herz und eine Seele. Sie sind alle Freigänger - obwohl Anton Freigang vorher kaum kannte. Am Anfang blieb er vor allem im Garten, mittlerweile klettert er mit Begeisterung auf alte Obstbäume und pirscht durch die Wiesen ringsum. Es hat Monate gedauert, bis er seine erste Maus erwischt hat, weil er Jagen vermutlich nie gelernt hat. Aber dann! Mit stolzgeschwellter Brust brachte er sie nach Hause, legte sie mir vor die Füße und wollte ausgiebig gelobt werden. Das Fressen der Beute überlässt er den Kleinen, besonders gerne Elli, die mittlerweile schon auf ihren persönlichen "Mäuselieferanten" Anton baut.

Antons große Stunde schlägt allerdings abends, denn nach so viel Jagd und Abenteuer möchte der Herr schließlich gebührend entspannen. Mein Bett scheint angemessen zu sein - und manchmal weiß ich gar nicht, wo ich mich hinlegen soll, weil er sich schon vor mir breit gemacht hat. Er ist allerdings zu Kompromissen bereit: Ich darf ebenfalls unter die Decke, wenn er mich im Gegenzug dafür putzen kann. Damit kann er sich stundenlang beschäftigen, nicht nur, wenn es um den eigenen Pelz geht: Gipsy, Elli, ich - alle kommen reihum in den Genuss seiner "Schönheitskur".

Ein großer Schnurrer ist er nicht, er brummt nur manchmal leise vor sich hin und seufzt wohlig, wenn er sich tief in die Decke wühlt. Oder, Option zwei: wenn er Käse wittert, nach dem er ganz verrückt ist. Mundraub würde er aber nie begehen. Da stupst er einen lieber sanft mit der Pfote an, macht große Augen wie auf seinem ehemaligen Vermittlungsfoto - und weiß, dass er gewonnen hat.